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Der Traum vom US-College Football | One Shot / Jean-Claude Madin Cerezo Der Traum vom US-College Football

Der 26 jährige Jean-Claude Madin Cerezo genannt “Jonny” oder “JC” wechselte vor kurzem als Widereceiver zu den Hamburg Huskies in die GFL2. Doch der Football hat Jonny schon an viele Orte geführt. Der gebürtige Hamburger hat bereits eine lange Reise mit vielen Kilometern und noch mehr Erlebnissen hinter sich. Von der deutschen und spanischen Jugendnationalmannschaft über die Europameisterschaft bis hin als Spieler nach Mexiko und in die USA. In einem Interview blickte Jonny mit uns zurück und ließ uns an seiner Reise, die so wohl nur der Football schreibt, teilhaben. Aber lest selbst.

Wie alles Begann

Angefangen hat für den Hamburger Jung alles vor knapp 10 Jahren. Der Sohn einer Spanierin und eines Kameruners hat mit 16 Jahren die Liebe zum Football entdeckt. “Zum Football kam ich durch meinen besten Freund. Er ist damals zu einem Tryout gegangen und hat mich im Anschluss eingeladen auch mal mitzukommen.” Von dort an lief Jean-Claude drei Jahre für die Hamburg Young Huskies auf. Die ersten Versuche auf dem Feld waren alles andere als einfach. Erst recht für jemanden der es gelernt hatte den Ball nicht in die Hand zu nehmen, sondern nur mit dem Fuß zu behandeln. Denn auch Jean-Claude hat, wie wohl die meisten Kinder und Jugendlichen in Deutschland, zuerst den Weg in den Fußballverein gesucht. Doch schon während der ersten Trainingseinheit auf dem Footballfeld war klar. Jonny und Football? Das passt!

Klar war auch die Entscheidung über die Spielposition. Während sich viele Spieler, besonders in jungen Jahren, zuallererst auf mehreren Positionen ausprobieren, stand die Entscheidung von Jean-Claude schon vorab fest. Er wollte Widereceiver werden. “Vor dem Football habe ich recht lange Fußball gespielt. Dort war ich immer Verteidiger und hatte damit quasi eine Position, in der ich nie so wirklich die Chance hatte ein Spiel durch eine Offensivaktion alleine zu entscheiden. Aber genau das wollte ich. Daher war für mich sehr schnell klar, dass ich Widereceiver werden wollte.”

Der Freund der ihn zum Football gebracht hat, ist Aleksandr Ashtahin. Der Kontakt besteht bis heute. Jonny sagt nicht umsonst “Er ist wie ein Bruder für mich.” Auch Alexandr spielt weiterhin noch Football. Jedoch nicht wie Jean-Claude als Widereceiver, sondern auf der anderen Seite des Feldes. Alexandr ist Defensive Back und schnürrte sogar für ein knappes Jahr wieder gemeinsam mit Jonny die Schuhe. Das Schicksal hatte die beiden für ein knappes Jahr bei den Kiel Baltic Hurricanes wieder zusammen geführt.

Der Traum

Der Gedanke an ein College in den USA zu gehen, ist bei Jean-Claude zwar langsam dafür aber sehr deutlich entstanden. Nachdem ihm die Möglichkeit bereits von verschiedenen Trainern immer wieder näher gebracht wurde, war sein Trainer Marico Gregersen letztendlich der ausschlaggebende Coach und somit der Stein der alles ins Rollen brachte. “Der Wunsch wurde immer stärker. Ich wollte unbedingt ans College und in die USA. Dadurch habe ich immer härter und disziplinierter trainiert”. JC hatte damals bereits Kontakt zu zwei Colleges (Wyoming und Liberia). Bei einem Kontakt sollte es aber vorerst auch bleiben.

2011 sollte jedoch erstmal ein anderes Highlight auf Jonny warten. Der volle Fokus lag auf der Junioren-Europameisterschaft in Sevilla. Denn dort sollte JC für die deutsche Junioren-Nationalmannschaft auflaufen. Das Wort “sollte” ist hierbeit jedoch bewusst gewählt. Denn die Bürokratie hat dem Hamburger einen Strich durch die Rechnung gemacht. Der fehlende deutsche Pass war es, der fast Jonny`s EM-Aus besiegelte. Nach der Beantragung dauerte der Versand zu lange und der Pass kam nicht mehr rechtzeitig zum Turnierbeginn an. “Ich glaube ich habe die Info mit dem Pass zwei bis drei Wochen vor Turnierbeginn bekommen. Das war schon sehr hart damals.”

Doch mehrere Nationalitäten zu haben hat viele Vorteile und die digitale Welt erst recht. Da kann es dann auch mal ganz schnell gehen. “Die Absage habe ich glaube ich an einem Dienstag bekommen. Am Donnerstag in der gleichen Woche hat mich dann jemand von der spanischen Junioren-Nationalmannschaft über die sozialen Netzwerke kontaktiert.” Durch das Angebot der spanischen Jugendauswahl und dem Wechsel zum spanischen Verband konnte Jean seinen Traum von der Europameisterschaft also noch immer weiterverfolgen. Möglich machte den Wechsel sein spanischer Pass, den er aufgrund seiner spanischen Mutter bereits besessen hatte.

Jonny konnte also den Traum von der Junioren-Europameisterschaft weiter leben. Das Tempo in Folge des angenommenen Verbandswechsel war jedoch immens. “Das ging wirklich alles ganz schnell. In den Wochen drauf war dann bereits das Trainingslager in Valencia. Dort habe ich meine neuen Teamkameraden kennengelernt. Die Jungs waren von Anfang an recht cool drauf.”

Nach den Leistungen des Hamburgers im Trainingscamp, überstand Jean-Claude letztlich auch den letzten Roster-Cut vor dem Turnier. Damit war es besiegelt. JC war tatsächlich Teil des spanischen Juniorenteams für die Europameisterschaft 2011. Doch zeitgleich mit dem Jubel über die Teilnahme, herschte bei Jonny auch ein wenig Ernüchterung. “Ich war echt traurig, um meine Jungs aus dem deutschen Team. Es war schon nicht so einfach alle in Sevilla zu sehen und nicht mit ihnen zusammen spielen zu können. Aber die internationalen Turniere sind wirklich wichtig für einen Footballspieler, insbesondere für diejenigen außerhalb der USA. Sie sind das Ticket zum International Bowl. Da muss man einfach dabei sein! Die Europameisterschaft 2011 war für mich ein rießen Event und eine super Erfahrung, die ich nicht missen möchte.”

Wirklich erfolgreich war die spanische Junioren-Nationalmannschaft um Jean-Claude jedoch leider nicht. Die Spanier schieden Sang und Klanglos ohne Sieg aus dem Turnier aus. “Leider haben meine Leistungen nicht gereicht um einen Sieg einzufahren. Aber die Stimmung im Team war echt gut. Zu einigen Jungs habe ich heute noch richtig guten Kontakt.” Für JC persönlich lief dagegen alles umso besser. Er hatte einige gute Aktionen und wurde durch insgesamt starke Vorstellungen in das All-Europe Team gewählt. Doch nicht nur das. Ebenfalls erhielt Jean-Claude eine Berufung in die U19-Weltauswahl mit der er sich im IFAF International Bowl gegen die Auswahl der USA durchsetzte und damit doch noch einen internationalen Titel feiern konnte.

Mit dem internationalen Titelgewinn und seinen persönlichen Leistungen war der junge Receiver ohne Frage ein Kandidat für größere Aufgaben. Das unterstrichen ebenfalls seine Statistiken.

2010: Vice National Champion, 704 Receiving Yards, 8 Touchdowns, 1 Kickoff Return Touchdowns, 36 Rushing Yards, 1 Touchdown, 10 Tackles, Nominierung zum Sichtungskader der Jugendnationalmannschaft, IFAF Worldteam (Development Team)

2011: 3. Platz GFLJ, 533 Receiving Yards, 9 Touchdowns, 69 Rushing Yards, 1 Touchdown, 3 Return Touchdowns, European Junior Championship 2011 6. Platz, Nominierung All Star-Team als Kickreturner und Puntreturner.

Über den großen Teich

Nach den internationalen Auftritten mit der Juniorenauswahl war der Traum vom College präsenter denn je. Es sollte die Entscheidung für den Verbandswechsel und somit die EM-Teilnahme sein, die Jean-Claude einen weiteren Schritt näher an seinen Traum bringen sollte. Schließlich sind gute Kontakte in der Branche ein nicht von der Hand zu weisender Vorteil. Ausgerechnet im spanischen Verband war ein Trainer der sich sehr für die Leistungen von Jonny interessierte und keine Zeit verlor. Er fragte Jonny, ob er sich vorstellen könnte in Mexiko Football zu spielen. Der Headcoach des mexikanischen Teams wäre einer seiner besten Freunde und er würde gerne den direkten Kontakt herstellen. Jean-Claude selbst war jedoch zunächst skeptisch. “Am Anfang hat mich das nicht so interessiert, da ich ja eigentlich in die Staaten wollte.”

Dann ging jedoch wieder einmal alles relativ schnell. Im Oktober 2011 wurde der Kontakt zum mexikanischen Headcoach immer enger und formeller. Es war der Headcoach von den UDLAP Aztecas aus Cholula, nahe Puebla. Bald musste sich Jean-Claude schon entscheiden, ob er das Stipendium der mexikanischen Universität unterschreiben will. Wie groß American Football auch in Mexiko ist, konnte sich JC bis dato noch nicht richtig vorstellen. Doch nach ein paar Recherchen wurde dem Hamburger Widereceiver bewusst, dass in Mexiko sogar das gleiche College-System wie in Amerika vorzufinden ist. Durch das identische System und den damit einherkommenden Ähnlichkeiten im Tagesablauf sind die Voraussetzungen in Mexiko ideal dem eigentlichen Traum nochmal einen Schritt näher zu kommen. Hinzu kommt die geografische Nähe zu den USA wodurch es einfacher werden sollte in das Blickfeld der Collegescouts aus den USA zu gelangen. Damit war die Entscheidung pro Mexiko also getroffen.

Mit der Unterschrift unter dem Stipendium der Universidad de las Américas Puebla kommt die Universität für die Studiengebühren und die Kosten eines Doppelzimmers auf. Zusätzlich wurde von Montag bis Freitag eine kostenfreie Mahlzeit angeboten. Die Kosten für den Flug bzw. die Flüge nach Mexiko musste Jean-Claude dagegen selbst tragen. Doch wie fühlt man sich vor dem Start in ein neues Abenteuer? Vermutlich gibt es auf diese Frage keine pauschale Antwort. Jonny fühlte sich bereits zu Beginn an gut mit seiner Entscheidung. “Aufgeregt war ich vor dem Abflug nicht. Zumindest hätte ich es so nicht beschrieben. Im Unterbewusstsein war ich dann scheinbar trotzdem etwas nervös. Denn eine Woche vor Abflug habe ich richtig starke Bauchschmerzen bekommen und der Arzt meinte das es am Stress liegen würde.”

In Richtung Mexiko ging es für Jean-Claude dann tatsächlich am 4. Januar 2012. Gelandet in Mexiko City um 1:30 Uhr morgens, wo ihn schon einer der Coaches erwartete. Mit dem Bus ging es dann nach Puebla. Ankunft an der Uni 4:00 Uhr in der Nacht. Am Tag nach der Ankunft hatte JC gemeinsam mit zwei weiteren Freshman die erste Besprechung mit den Coaches. Nach drei Tagen Aklimatisierung ging es dann am Montag auch schon gleich mit dem Training los. “Das erste Training und die erste Trainingswoche waren schon sehr anstrengend aber eigentlich nichts Übernatürliches. Da ich erst kurz zuvor beim IFAF International Bowl teilgenommen habe, war ich zum Glück körperlich schon recht fit. Trotzdem muss man sagen, dass die Temperaturen in Mexiko natürlich nochmal ganz andere sind.”

Das neue Abenteuer sollte also beginnen. Ein neuer Kontinent, eine neue Kultur und neue Leute. In Mexiko selbst waren alle Leute sehr offen eingestellt. Auch mit den neuen Teamkollegen und seinen ‘Roomies’ hat sich Jonny von Anfang an sehr gut verstanden. Durch die Parallelen im System wird es in Mexiko ähnlich gehandhabt wie in den USA. Die Uni und der Sport sind eng miteinander verknüpft. Da das Training fest in den Tagesablauf integriert ist, müssen sich die Spieler keine Gedanken darum machen, Arbeit und Uni unter einen Hut zu bringen. Es wird sehr gezielt trainiert. Sowohl positionsbezogene Skills, als auch der Aufbau einzelner Muskelgruppen und die Theorie durch Videoschulung. Auch was das Niveau angeht, ist Mexiko nach Meinung des Hamburgers über Deutschland anzusiedeln. Hauptgrund hierfür ist, wie sollte es anders sein, das professionelle und tägliche Training im typischen College-Modell. All das trägt zur stetigen Förderung und Entwicklung der einzelnen Spieler bei.

Amerika incoming

Der Traum von den USA war jedoch nach wie vor präsent. Die Nähe zu den Staaten sollte es für Jean-Claude richten. Nach dem ersten Jahr in Mexio war es Jonny selbst der seine Zukunft in die Hand genommen hat. “Ich habe meine Highlightvideos an alle D1 Colleges verschickt und dann auch von einigen positives Feedback bekommen.” Zusammengestellt hat Jonny die Videos über die Spielerplattform ‘Hudl’. Auf ein offizielles Angebot eines amerikanischen Colleges musste der Widereceiver nach der Saison 2012 jedoch weiterhin verzichten. Doch die Saison 2013 bei den UDLAP Aztecas sollte eine weitere überzeugende Saison von JC werden. Ende der Saison wurde er sogar zum Offensivspieler des Jahres im mexikanischen College Football ausgezeichnet. Damit schaffte es der Hamburger letztendlich in die Notizbücher der amerikanischen College-Teams. Erstes Interesse zeigte die Universität of Northern Colorado (UNC). Kurze Zeit später folgte dann auch das offizielle Stipendiumsangebot.

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Die Interviews mit den interessierten Colleges fanden alle telefonisch statt. Einen Besuch in Amerika vor Ort gab es nicht. Lediglich ein mal wurde der Hamburger Jung zu einem Besuch eingeladen. Dieser Zerschlug sich dann jedoch recht schnell wieder. Auch zu einem echten Probetraining kam es nicht. Von 2012 bis 2014 schnürrte Jean-Claude Madin Cerezo seine Schuhe für die UDLAP Aztecas in Mexiko. Es war eine erfolgreiche Zeit. Doch nun sollte es endlich soweit sein. Jonny wollte seinen Traum endlich verwirklichen und entschied sich das Stipendium anzunehmen. Jetzt hieß es nur noch Warten. Nach Eintreffen des Visums war der Weg zum amerikanischen College-Football dann endlich frei. Die politischen Differenzen zwischen den USA und Mexiko spielen im sportlichen Bereich keine große Rolle, sagt Jonny. Mit dem Wechsel an ein amerikanisches College hatte der gebürtige Hamburger es allen bewiesen. Wenn man ein festes Ziel vor Augen hat und es wirklich will, kann man alles aus eigener Kraft schaffen.

Bei seinen ehemaligen Teamkollegen von den Hamburg Young Huskies war es jedoch nie eine Frage, ob JC das Zeug dazu hat College Football in den USA zu spielen. Er war schon damals als Playmaker auf dem Feld und disziplinierter Leader im Lockerroom bekannt. Dazu war er auch neben dem Feld immer für seine Teamkameraden da.

Endlich US-College Football

Nach Colorado kam Jean-Claude mit viel Vorfreude. Amerikanischer College-Football. Das war es wovon der Hamburger schon so lange geträumt hat. Im ersten Jahr kam Jean-Claude bei den Bears jedoch nur im Special-Team zum Einsatz. Hauptgrund war vermutlich auch die fehlende Vorbereitungszeit. Denn JC kam nur eine Woche vor dem Saisonstart bei seinem neuen Team an. Im Grunde ist das auch keine große Besonderheit bei neu angenommenen Spielern. Die Starting-Jobs sind meist durch Spieler besetzt, die schon mehrere Jahre im Team sind und somit das Playbook verinnerlicht haben. Und auch die Coaches kennen die Stärken und Schwächen der Spieler, die bereits seit geraumer Zeit unter ihnen trainieren. Das Ganze macht es neuen Spielern natürlich nicht gerade einfach Spielpraxis zu sammeln. Erst recht für diejenigen die aus dem Ausland hinzustoßen. Doch die Situation war keine Unbekannte für Jonny. Bereits mit dem Wechsel nach Mexiko wurde er mit einer neuen Umgebung und vielen neuen Eindrücken konfrontiert. Genau durch diese Erfahrungen und seiner offenen Art fiel es Jonny nicht schwer sich in Colorado einzuleben.

Auch sportlich ließ sich der junge Widereceiver nicht unterkriegen. Er arbeitete immer härter, um möglichst bald eine Chance außerhalb des Special-Teams zu erhalten. Im ersten Jahr verzeichnete JC in seinen Special-Team-Einsätzen 6 Solo Tackles. Zudem konnte er im Training sein Talent unter Beweis stellen und somit Aufmerksamkeit der Coaches auf sich ziehen.

Das Potenzial des Hamburger Jung blieb demnach auch den Coaches nicht lange verborgen. Im Sommercamp, der Vorbereitung vor der zweiten Saison, war Jean-Claude dann bereits als Starter gelistet. Kurz vor dem Saisonstart und dem angepeilten Durchbruch, dann jedoch der herbe Rückschlag. Nur zwei Wochen vor Saisonstart verletzte sich der 6’2″ große Widereceiver an der Leiste. Doch trotz Verletzung war es keine Alternative den Saisonstart zu verpassen. Trotz der vorherigen Listung als Starter, wurde Jean dann im ersten Saisonspiel wiederum nur im Special-Team aufs Feld geschickt. Vielleicht auch aufgrund der Leistenverletzung. Für Jonny selbst war es dennoch eine Ernüchterung. Denn auch nach dem ersten Spiel im zweiten Jahr hatte er noch keinen offensiven Snap gespielt. Die Statistik im Special-Team konnte sich jedoch trotz anhaltender Verletzung sehen lassen. Ganze 2 Solo Tackles hieß es am Spielende. Aufgrund der erneuten Nichtberücksichtigung als Starter entschied sich der Hamburger dann dazu, seine Verletzung vorerst komplett auszukurieren. Dabei führte jedoch auch kein Weg an einer Operation vorbei. Ändern sollte sich an der Entscheidung von Jonny dennoch nichts. Das Ziel war es, durch ein Redshirt-Jahr kein wichtiges Collegejahr zu verlieren und im Anschluss mit vollen Kräften einen erneuten Angriff zu wagen.

Doch auch trotz der großen Entfernung blieb die Verbundenheit nach Hamburg immer da. So ging es jedoch wohl nicht nur Jean-Claude. Gemeinsam mit dem heutigen NFL-Spieler Kasim Edebali (Cincinnati Bengals) fand er immer wieder den Weg zu seinen footballerischen Wurzeln. Bei Besuchen ließ man es sich dabei ebenfalls nicht nehmen dem Heimteam von Zeit zu Zeit bei Trainingseinheiten den ein oder anderen Tipp zu geben.

Fokuswechsel

Die Verbissenheit die Jean-Claude von Hamburg bis nach Amerika geführt hat war es aber dann, die ihm den nächsten Rückschlag einbrachte. “In der Zeit nach der Operation war es wirklich schwierig die Füße still zu halten. Ich wollte unbedingt wieder auf den Platz und habe dann einfach doch zu früh wieder angefangen.” Heute weiß Jean, dass es wichtig ist Verletzungen vollständig auszukurieren und nicht zu schnell zu viel zu wollen. Durch die verfrühte Belastung wurden die Schmerzen im Leistenbereich chronisch und machten immer wieder Probleme. Die kommenden Wochen und Monate wurden ein ständiges Up and Down. Im Frühlingssemester konnte er einige Monate nicht richtig trainieren. Am Springcamp wiederum konnte der Widereceiver die vollen drei Wochen mittrainieren. In den drei Wochen stieg die Formkurve sogar soweit an, dass seine Leistungen im Springgame deutlich herausstachen. Jean-Claude war sogar so überzeugend, dass ihm sein Coach im Anschluss ein Stipendium zum Master angeboten hat. Doch das Springgame war es auch, was eine schwierige Entscheidung hervorrufen sollte. Die Verletzungen haben gezeigt, dass sich die Situation jederzeit verändern kann. Jonny wurde immer bewusster, dass der Weg im American Football jederzeit auch wieder vorbei sein kann.

Die Zeit bei der UNC war keine einfache Zeit für Jean-Claude. Das größte Problem waren die Verletzungen die ihn immer wieder zurückgeworfen haben. So war es Jonny von da an noch wichtiger auch schulisch einen guten Abschluss zu machen. Es sollten schlichtweg auch beruflich alle Möglichkeiten gegeben sein. “Ich musste zuerst die Studiengänge prüfen und mit den Professoren sprechen. Auch die Meinung meiner Familie und meiner Freunde waren mir wichtig”.

Nach dem Springcamp ging es für JC ersteinmal zurück nach Mexiko, um seine Freunde aus der Zeit bei UDLAP in Cholula zu besuchen. Während dem Besuch hat sich dann auch sein damaliger Headcoach über die Zukunftspläne seines ehemaligen Schützlings erkundigt und gefragt, ob Jonny nicht zu den Aztecas zurückkommen möchte. Zurück in Colorado begann also der schwierige Entscheidungsprozess. Bist die Entscheidung für Jonny schließlich feststand. BACK TO MEXIKO.

Einer der ausschlaggebenden Gründe für eine Rückkehr war schließlich das Studienangebot. In Mexiko konnte Jean-Claude das studieren, was er wirklich wollte. Auch das Collegeleben in Cholula gefiel dem norddeutschen Widereceiver besser als in Greeley, USA. Seine damalige Freundin lernte er 2013 an der mexikanischen Leichtathletik Meisterschaft kennen. Beide kamen von Colleges in Puebla und nahmen als Athleten an der Meisterschaft teil, bevor sie sich über gemeinsame Bekannte besser kennenlernten. Die Rückkehr nach Mexiko nahm die gebürtige Mexikanerin, die ihm nach Amerika gefolgt ist, daher sehr positiv auf. Nach zwei Jahren in den USA zog es Jonny also 2016 für seinen Schulabschluss wieder zurück nach Cholula, Mexiko.

Way to be happy

Das Leben in Mexiko beschreibt Jean-Claude als einfacher. Vorallem die Offenheit der Leute bleibt positiv in Erinnerung. Das Resümee fällt daher recht klar aus. “Sportlich war es vielleicht nicht die beste Entscheidung zurück nach Mexiko zu gehen. Was mein Lebensgefühl und mein Studium angeht, war die Entscheidung aber für mich richtig. Die Leute, die Umgebung, die Kultur, das Essen. Mexiko ist super.” Den Traum von der NFL hat Jonny seit Mitte Januar 2018 endgültig begraben. Es waren schlichtweg zu viele Rückschläge in ungünstigen Situationen. Doch wo sich eine Tür schließt, öffnen sich gleich mehrere neue. Der Fokus von Jean-Claude hat sich aufjedenfall geändert. Die Konzentration lag seit Januar 2018 ganz klar auf dem Master und im Anschluss einen guten Job zu finden. Was die Gesundheit angeht, ist der Hamburger wieder komplett fit. Und auch das Football spielen möchte er beibehalten. Doch nur insofern es sich mit dem Job vereinbaren lässt. Dafür ist die Leidenschaft zu dem Sport mit dem ovalen Ball letztlich einfach zu groß.

Der Kreis schließt sich

Den Master hat Jean-Claude im Frühjahr 2018 erfolgreich abgeschlossen. Danach hieß es erstmal ‘Back to the Roots’ in den Norden Deutschlands. Und das auch in Sachen Football. Bis vor kurzem war Jean-Claude Madin Cerezo unter seinem ehemaligen Förderer Marico Gregersen bei den Kiel Baltic Hurricanes aktiv. Gregersen freute sich sehr über die erneute Zusammenarbeit. Doch in Kiel traf er nicht nur auf seinen Jugendcoach. Auch einige seiner ehemaligen Mitspieler aus Jugendzeiten fand er in Kiel vor. Darunter auch sein bester Freund Aleksandr Ashtahin, der ihn vor knapp 10 Jahren zum American Football brachte.

In seinem ersten Jahr bei den Baltic Hurricanes brachte Jonny bis zum 25.10.2018 in 12 Spielen bereits 638 Yards und 3 Touchdowns aufs Board. Damit belegt er derzeit den 18. Platz in den Top-25 der Alltime Leading Receiver (ab 2007) Liste der Canes. Vor kurzem dann jedoch der Wechsel zurück zu seinem Jugendverein in die GFL2, den Hamburg Huskies. Damit schließt sich der Kreis. Mit seinem Talent und seiner Erfahrung werden wir in der GFL2 sicher noch einiges von dem 26 Jährigen Hamburger hören. Privat lebt Jonny derzeit in Wien und freut sich dort auch beruflich durchstarten zu können.

Beim Rückblick auf sein Abenteuer blieben Jonny viele besondere Spiele in Erinnerung. Angefangen vom letzten Spiel mit den Hamburg Young Huskies über den German Junior Bowl 2010, dem ersten Spiel in Mexiko mit den UDLAP Aztecas und dem National Championship Game 2013 bis hin zum Homecoming Spiel 2014 mit den UNC Bears. “Das waren schon super Erfahrungen. Echte Kracher! :-)”

Die Message von Jean-Claude ist eindeutig, jeder ist seines eigenen Glückes Schmied. Wenn man einen Traum hat, sollte man nicht lange zweifeln und die Initiative selbst in die Hand nehmen. Man wächst an den Herausforderungen und die Erfahrungen sind einem nicht mehr zu nehmen.

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