Das war das Championship Games Wochenende! Unser Rückblick fasst die wichtigsten Entwicklungen des Spieltags zusammen und ordnet ihre Bedeutung für den weiteren Verlauf ein.
Sam Darnold überzeugte auf ganzer Linie
Für alle, die noch Zweifel hatten, ob Sam Darnold das Zeug zu einem Quarterback mit Championship-Format hat, war dieses Spiel der ultimative Gradmesser. Die Rams-Defense hatte ihm in drei direkten Duellen zuvor große Probleme bereitet – angefangen bei den letztjährigen Playoffs, als neun Sacks und zwei Turnovers das bittere Ende seiner Zeit bei den Vikings markierten. In der Regular Season kamen in zwei Spielen weitere sechs Interceptions hinzu. Chris Shula schien Darnold im Griff zu haben.
Dass Darnold nun ausgerechnet im größten Spiel seiner Karriere gegen die Rams explodierte, dürfte diese Narrative und viele weitere aus seiner schwierigen Jets-Zeit endgültig beerdigen. Er agierte hochkonzentriert, brachte 25 von 36 Pässen für 346 Yards und drei Touchdowns an – alle drei unter Druck. Seine 0,47 EPA pro Dropback (laut TruMedia) sind der bislang beste Wert eines Quarterbacks in diesen Playoffs.

Natürlich profitiert Darnold von einem kreativen Playcaller, einem Superstar-Receiver und einer der besten Defenses der Liga. Die Seahawks haben ein Umfeld geschaffen, in dem ein Quarterback erfolgreich sein kann. Aber eines ist klar: Ohne Darnold steht dieses Team nicht im Super Bowl. Und ja – dazu zählen auch all jene, die Seattles Quarterback-Wechsel im Sommer kritisch sahen.
Das Duell mit New England auf der größten Bühne des Sports gibt Darnold nun die Chance, seine Redemption Story perfekt abzurunden. Erinnern wir uns: Gegen die Patriots hatte er 2019 bei den Jets seinen berüchtigten „seeing ghosts“-Moment.
War das die große Chance der Rams?
Das Aus in Seattle ist ein schmerzhafter Schlusspunkt unter eine Playoff-Reise, die durchaus magisch hätte enden können. Mit Sean McVay an der Seitenlinie darf man hoffen, dass sich weitere Gelegenheiten ergeben. Doch ob das schon 2026 der Fall ist, bleibt offen.
Matthew Stafford will zwar weitermachen, doch kann man bei einem Quarterback, der im Februar 38 wird, erneut eine MVP-Saison erwarten? Und Verletzungen werden mit zunehmendem Alter nicht weniger.
Auch bei Davante Adams stellen sich Fragen. Als idealer Gegenpart zu Puka Nacua war er ein Schlüssel zu Staffords 46-Touchdown-Saison. Doch nimmt seine Rolle 2026 – im Alter von 34 Jahren – weiter ab?
Hinzu kommt möglicher Aderlass im Trainerstab: Mike LaFleur, Nate Scheelhaase und Chris Shula gelten allesamt als Head-Coach-Kandidaten. Jeder Abgang könnte Auswirkungen haben.
Die Rams gehören zu den besten Organisationen der Liga – gegen sie zu wetten wäre töricht. Aber wenn so vieles passt und man es dennoch nicht schafft, tut das besonders weh. Vielleicht war es die beste Chance dieses Kerns auf absehbare Zeit.
Schon wieder ein Special-Teams-Fehler
Die Special Teams spielten erneut eine entscheidende Rolle. Zwar bekam man Rashid Shaheed weitgehend in den Griff, doch andere Fehler waren kostspielig.
Im dritten Viertel rutschte Xavier Smith beim Punt-Return weg, der Ball sprang von seiner Schulter – Seattle eroberte ihn. Einen Spielzug später fand Darnold Jake Bobo zum Touchdown. Spielstand: 24:13.
Pech? Ja. Aber auch symptomatisch. Die Rams waren über Wochen eines der schwächsten Special-Teams-Teams der Liga. Seattle hingegen rangierte in der Regular Season auf Platz zwei in der Special-Teams-EPA. Der wahre Klassenprimus zeigte sich genau hier.
Kubiak beeindruckt nachhaltig
Klint Kubiak räumte letzte Zweifel an seiner Head-Coach-Tauglichkeit aus. Sein Offensivkonzept sezierte die Rams-Defense mit Variabilität und Kreativität.
Jaxon Smith-Njigba brillierte mit 10 Catches für 153 Yards und einem Touchdown, doch auch die Einbindung von Kenneth Walker (49 Receiving-Yards, drei First Downs) war entscheidend.
Nach dem mutigen Coaching-Wechsel von Mike Macdonald vor einem Jahr zahlt sich das Risiko voll aus. Kubiak dürfte in der Bye Week heiß begehrt sein.
Mayes Beine als X-Faktor
Der Passangriff der Patriots stockte erneut, doch Drake Maye machte mit seinen Beinen den Unterschied. Seine drei Scrambles für 57 Yards – allesamt First Downs – entsprachen 6,37 Scramble-EPA.
Hinzu kamen zwei entscheidende Design Runs: ein Touchdown vor der Halbzeit und ein Bootleg im Schlussviertel. Genau deshalb entwickelt sich die NFL immer mehr zur Liga der mobilen Quarterbacks.

Vrabels Defense liefert erneut
In den Playoffs hat sich das Kräfteverhältnis in New England verschoben. Die Defense ist nun der entscheidende Faktor.
Mit einer Blitz-Rate von 40,6 % (gegenüber 27,2 % in der Regular Season) setzte die Patriots-Defense auch gegen Denver massive Akzente: drei Sacks, acht Quarterback-Hits.
Gegen Seattle wartet im Super Bowl eine deutlich größere Herausforderung. Doch die Entwicklung dieser Einheit spricht dafür, dass sie auch dort konkurrenzfähig sein wird.
Ein Fehler kostet Denver alles
Jarrett Stidham startete vielversprechend, doch ein folgenschwerer Fehler vor der Halbzeit kippte das Spiel. Ein Hit beim Passversuch führte zu einem Fumble an der eigenen 12 – New England glich kurz darauf aus. Denver punktete danach nicht mehr.
Vielleicht hätte ein Field Goal geholfen. Vielleicht wäre es mit besserem Wetter anders gelaufen. Fakt ist: Die zweite Halbzeit (5 von 10 Pässen, 10 Yards, eine Interception) reichte nicht.
Trotzdem war es eine starke Saison für die Broncos. Mit Russell Wilsons Vertrag bald aus den Büchern könnte sich für Denver ein nachhaltiges Super-Bowl-Fenster öffnen.



