Rückblick auf das Wildcard Weekend

Fabian Weigl
Lesezeit: 39 Min.
Wildcard Weekend - Ein Spieler der Buffalo Bills in einer weißen Uniform rennt mit dem Ball, verfolgt von einem Verteidiger der Jaguars in Grün. Das sonnenbeschienene Spielfeld und die verschwommenen Zuschauer fangen den Nervenkitzel eines Last-Minute-Dramas ein, das sich mitten im Spiel abspielt. Diese Beschreibung wurde mit der FootballR KI automatisch generiert.
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Playoff-Football ist keine Mathematik. Er ist ein Zustand. Manchmal ein Zittern, manchmal ein Geniestreich, meistens beides zugleich – und genau das war dieses Wildcard Weekend. Comebacks, gebrochene Favoritenrollen, ein Rams-Sieg mit letzter Sekunde, ein Bears-Wunder gegen den Erzrivalen und ein Bills-Team, das mit purer Willenskraft gewinnt. Wer dachte, die Postseason würde langsam Fahrt aufnehmen, hat die erste Runde verpasst. Sie war elektrisierend – und brutal ehrlich.

Wildcard Weekend

Rams 34 – 31 Panthers

Charlotte lieferte zum Auftakt der Playoffs genau die Sorte Spiel, die für beide Seiten gleichzeitig schmeichelhaft und brutal ist: Die Los Angeles Rams gewinnen 34:31 bei den Carolina Panthers, aber sie gewinnen es nicht mit Kontrolle, sondern mit einem letzten, präzisen Stich in die verbleibende Zeit. Es ist ein Spiel, das über weite Strecken wie ein sicherer Rams-Sieg beginnt, sich dann aber Schicht für Schicht in ein Duell verwandelt, in dem jede Führung nur geliehen wirkt, bis Matthew Stafford 38 Sekunden vor Schluss Colby Parkinson für den entscheidenden Touchdown findet.

Die Statik der Partie ist schon früh erkennbar: Los Angeles setzt in der Anfangsphase die Messlatte hoch und zwingt Carolina sofort in den Modus mitgehen oder untergehen. Der erste Rams-Touchdown kommt nach 11:35 Minuten im ersten Viertel, Stafford trifft Puka Nacua über 14 Yards, Harrison Mevis verwandelt, 7:0. Kurz danach folgt der nächste Schlag: 12:16 im zweiten Viertel läuft Nacua aus fünf Yards selbst in die Endzone, erneut Kick gut, 14:0. Nach nicht einmal anderthalb Vierteln wirkt es, als hätten die Rams das Spiel in die gewünschte Richtung gezogen: über Stafford als Taktgeber, über Nacua als primären Stressor für die Coverage, mit dem Gefühl, dass Carolina im eigenen Stadion erst einmal hinterherläuft.

Carolina aber kippt das Spiel nicht mit einem einzelnen Big Play, sondern mit einem Plan, der immer wieder die gleichen Fragen stellt: Können die Rams konstant den Lauf stoppen? Können sie in den entscheidenden Downs den Drive töten? Und können sie das über 60 Minuten durchhalten, wenn der Gegner nicht nervös wird? Die Panthers antworten zunächst über Chuba Hubbard: 8:53 im zweiten Viertel drückt er den Ball aus einem Yard über die Linie, 14:7. Los Angeles kontert zwar mit einem 46-Yard-Field-Goal von Mevis (5:24, 17:7), doch Carolina setzt direkt vor der Halbzeit einen der emotionalen Ankerpunkte dieses Spiels: Bryce Young läuft 37 Sekunden vor der Pause selbst zum 16-Yard-Touchdown, und plötzlich steht es nur noch 17:14. Aus einem frühen Statement der Rams ist binnen weniger Minuten ein Spiel geworden, das nicht mehr nach verwaltet, sondern nach überlebt aussieht.

Im dritten Viertel wird dieses Muster noch deutlicher. Carolina gleicht aus, Ryan Fitzgerald trifft ein 46-Yard-Field-Goal (7:29) zum 17:17. Die Rams bleiben zwar minimal voran, weil Mevis noch ein 42-Yard-Field-Goal nachlegt (4:17, 20:17), aber die Partie ist längst in einem Zustand, in dem jede Antwort sofort wieder eine neue Frage erzeugt. Und genau dort, im Beginn des vierten Viertels, dreht Carolina die Erzählung endgültig: Hubbard macht seinen zweiten Rushing-Touchdown, diesmal aus drei Yards (14:34), die Panthers führen 24:20. In diesem Moment ist das Spiel nicht mehr Rams gegen Panthers, sondern Rams gegen sich selbst, weil sie gerade dabei sind, den perfekten Start zu verspielen.

Los Angeles findet noch einmal die Version der eigenen Offense, die in engen Playoff-Spielen überlebenswichtig ist: ein Drive, der nicht schön sein muss, sondern nur effizient. Stafford trifft Kyren Williams zum 13-Yard-Touchdown (8:47), 27:24 Rams. Doch die Panthers antworten wieder und das ist der Teil, der dieses Spiel so unbequem für Los Angeles macht: Carolina wackelt nicht. Bryce Young bedient Jalen Coker über sieben Yards zum Touchdown (2:39), Fitzgerald Kick gut, 31:27 Panthers. Weniger als drei Minuten sind zu spielen, und der Favorit ist plötzlich gezwungen, in die eine Situation zu gehen, die man im Playoff-Football zwar plant, aber nie freiwillig sucht: Du brauchst einen Touchdown. Kein Field Goal. Keine kosmetische Lösung. Einen Drive, der alles entscheidet.

Was dann folgt, ist die kondensierte Quintessenz eines Veteran-Quarterbacks. Stafford hatte an diesem Tag nicht nur Volumen, sondern auch Last zu tragen: Am Ende steht er bei 24 Completions aus 42 Pässen für 304 Yards, drei Touchdowns und eine Interception. Und dann kommt der Schlussakkord: 0:38 auf der Uhr, Stafford findet Parkinson über 19 Yards zum Touchdown, Mevis verwandelt, 34:31. Der Wurf ist nicht nur spielentscheidend, er ist das definitive Statement dieses Abends: Die Rams mussten nicht besser sein, sie mussten in genau diesem Moment präziser sein. Und sie waren es.

Die nackten Teamzahlen untermauern, warum dieses Spiel so offenblieb: Beide Teams stehen bei 21 First Downs, die Rams produzieren 411 Total Yards gegenüber 333 der Panthers, aber Carolina hält das Spiel über Effizienz im Laufspiel (drei Rushing-TDs insgesamt, davon zwei durch Hubbard und einer durch Young) und über die Fähigkeit, kritische Momente in Punkte zu verwandeln. Los Angeles wiederum lebt von Staffords Passspiel (drei Passing-TDs) und davon, dass Mevis zwei lange Field Goals liefert (46 und 42 Yards). Es ist auch ein Spiel, in dem Disziplin sichtbar wird: Die Rams leisten sich neun Strafen für 83 Yards, Carolina nur vier für 35. Dass Los Angeles trotzdem gewinnt, ist weniger Komfort als Warnsignal, weil solche Yardage-Geschenke in den späteren Runden oft nicht mehr überlebt werden.

Ein Detail wurde nach dem Spiel ebenfalls relevant: Stafford verletzte sich während der Partie am Zeigefinger der Wurfhand,  die Röntgenbilder waren unauffällig und er wurde anschließend als einsatzfähig für die nächste Runde bestätigt. Auch das passt zur Tonalität dieses Spiels: Es war kein Spaziergang, sondern ein Ringen, in dem jede kleine Sache plötzlich groß wird.

Für Carolina bleibt das bittere Gefühl, dass diese Niederlage nicht aus Ohnmacht entsteht, sondern aus einer einzigen nicht gehaltenen Tür in den letzten 40 Sekunden. Für Los Angeles ist es ein Weiterkommen, das nach außen wie Routine aussieht, aber intern vermutlich wie eine klare Erinnerung wirkt: Du kannst im Januar nicht erwarten, dass der Gegner irgendwann aufhört zu glauben. Du kannst nur erwarten, dass du am Ende noch einen Drive findest. 

Packers 27 – 31 Bears

Chicago, Soldier Field, 10. Januar 2026. Die Nacht, in der die Chicago Bears nicht nur ein Spiel gewannen, sondern ein Kapitel der eigenen Franchise-Geschichte neu schrieben. In der ersten Runde der NFC Playoffs standen die Bears dem Erzrivalen Green Bay Packers gegenüber, einem Team, das sich in der ersten Halbzeit scheinbar ein komfortables Polster verschaffte. Nach 30 Minuten führte Green Bay 21:3, nachdem die Packers mit drei Touchdowns in Serie aus der ersten Hälfte heraus punkteten und Chicago scheinbar im Griff hatten. Doch was wie ein kontrolliertes, vielleicht sogar erwartetes Wild-Card-Spiel begann, verwandelte sich im vierten Viertel in eine der größten Comebacks im Playoff-Kontext der Liga. Die Bears antworteten mit einer 25-Punkte-Flut, drehten die Partie und gewannen am Ende 31:27 vor über 60 000 Zuschauern in Soldier Field.

Die dramatische Wendung des Spiels war nicht nur eine statistische Anomalie, sondern ein Spiegel der sich schnell verändernden Dynamik beider Teams an diesem Abend. Chicago lag zur Halbzeit mit 18 Punkten zurück , einen Unterschied, den die meisten Playoff-Teams selten noch aufholen, während Green Bay einen dominanten Jordan Love präsentierte, der durch Christian Watson, Jayden Reed und Romeo Doubs früh in den Drive-Rhythmus fand und das Ergebnis bis zum zweiten Viertel klar auf 21:3 schraubte. Das Passspiel der Packers funktionierte, die Offense schien ihren Gameplan umzusetzen, und alles deutete auf eine Fortsetzung der Saison für Green Bay hin.

Doch Playoff-Football hat seine eigenen Regeln, und sie werden häufig im vierten Viertel geschrieben. Chicago zeigte ein Maß an Widerstand, das über Talent hinausgeht: mentale Härte, Anpassungsfähigkeit und die Bereitschaft, nicht nur zu reagieren, sondern zu dominieren, als es am meisten zählte. Mit Beginn des letzten Quartals wendete sich das Momentum. Die Bears erzielten zunächst ein Field Goal, bevor Quarterback Caleb Williams, in seinem ersten Playoff-Spiel, eine Serie von Drives orchestrierte, die den Rhythmus komplett auf Chicago umstellten. Williams beendete die Partie mit 361 Passing-Yards und zwei Touchdown-Pässen, wobei er trotz zwei Interceptions nie die Kontrolle verlor und jede Possession konsequent nutzte.

Parallel dazu gelang es der Packers-Offense, trotz insgesamt 323 Yards Passing von Jordan Love und vier Touchdowns, nicht, den Druck der Bears-Aufholjagd endgültig zu stoppen. Green Bay verzeichnete im zweiten Halbzeit-Abschnitt nur wenige Offensiv-Erfolge und stand zunehmend unter Zugzwang: Fehlende Punkte trotz Field-Goal-Chancen, Strafen und die Unfähigkeit, Drives in entscheidenden Momenten zu beenden, öffneten Chicago Tür und Tor. Ein entscheidender Moment kam spät, als ein 44-Yard-Field-Goal-Versuch von Brandon McManus weit rechts vorbeiging und den Packers wertvolle Punkte vorenthielt. 

In der Schlussphase übernahm Chicago endgültig das Kommando. Mit 1:43 Minuten zu spielen fand Williams DJ Moore für einen 25-Yard-Touchdown, das Play, das die Bears erstmals in Führung brachte und ihnen die 31:27-Führung sicherte. Green Bay versuchte danach noch einmal, zu kontern, doch ein verlorener Snap und ein verzweifelter, abgefälschter Pass in der Endzone beendeten die Hoffnungen der Gäste.

Was diesen Sieg besonders macht, ist nicht nur das Ergebnis, sondern die Bedeutung: Es war Chicagos erster Playoff-Sieg seit 2011 und markierte zudem eine der größten Aufholjagden in der Geschichte der Serie. Der 25-Punkte-Vorsprung, den sie im vierten Viertel zunichte machten, gehört zu den seltensten Comebacks im NFL-Postseason-Kontext und steht exemplarisch für das neue Selbstverständnis dieses Bears-Teams.

Defensiv und offensiv zugleich arbeitete Chicago in der zweiten Halbzeit konzentrierter, während Green Bay, das zu Beginn so souverän wirkte, unter dem Druck der Aufholjagd zunehmend strauchelte. Die Partie gewann so an narrativer Tiefe: Aus einem Spiel mit dominanter Anfangsphase wurde ein Spiegelbild der NFL-Playoffs allgemein, ein Duell, in dem geistige Stärke, Anpassung und Timing mindestens so entscheidend sind wie rohe Leistung.

Für die Bears bedeutet dieser Sieg nicht nur das Weiterkommen, sondern einen kulturellen Anschluss an die Playoff-Geschichte des Franchises. Für die Packers hingegen ist das frühe Aus ein Moment des Innehaltens, nachdem ein vielversprechender Lauf in der Regular Season nicht in ein tiefes Playoff-Laufen überführt werden konnte.

Diese Begegnung wird nicht nur statistisch, sondern auch emotional als einer der prägenden Playoff-Abende der Saison 2025/26 in Erinnerung bleiben, ein Spiel, in dem es nicht nur um Punkte ging, sondern um die Fähigkeit eines Teams, im vierten Viertel groß zu denken und noch größer zu handeln.

Bills 27 – 24 Jaguars

Jacksonville, EverBank Stadium, 11. Januar 2026: Buffalo gewinnt dieses Wild-Card-Spiel 27:24. Es ist Buffalos erster Road-Playoff-Sieg seit 33 Jahren, aber er fühlt sich nicht wie ein Endlich-Moment an, sondern wie ein Spiel, das die Bills mit einer sehr spezifischen Fähigkeit entscheiden: Sie bleiben im Viertel, in dem viele Teams anfangen zu zittern, am klarsten.

Der Beginn ist dabei typisch Playoffs: zäh, abtastend, feldpositionslastig. Buffalo eröffnet das Scoring spät im ersten Viertel mit einem 50-Yard-Field-Goal von Matt Prater zum 3:0 (2:54 im 1. Quarter). Das ist ein wichtiger Kontext: Die Bills dominieren die Anfangsphase nicht über explosive Plays, sondern über kleine Gewinne und die Fähigkeit, wenigstens irgendetwas Zählbares mitzunehmen. Jacksonville bleibt offensiv zunächst ohne Punkte, und das Spiel wirkt in seiner frühen Form wie ein Match zwischen zwei Teams, die eher Angst vor dem ersten Fehler haben als Lust auf Chaos.

Im zweiten Viertel kippt das Bild, weil Jacksonville plötzlich vertikal und zielstrebig wird. Trevor Lawrence führt einen Drive, der in einem kurzen, präzisen Finish endet: 14:14 auf der Uhr trifft er Brian Thomas Jr. zum 3-Yard-Touchdown, Cam Little verwandelt, 7:3 Jaguars. Das ist der Moment, in dem das Stadion da ist, nicht nur laut, sondern überzeugt, weil der #3-Seed jetzt das Gefühl erzeugt, das Spiel in die eigene Struktur zu ziehen.

Buffalo antwortet jedoch nicht mit einem schnellen Schlag, sondern mit einem langen, kontrollierten Statement-Drive: 10 Plays, 92 Yards, 5:42 von der Uhr und am Ende geht Josh Allen selbst über zwei Yards in die Endzone (5:37 im 2. Quarter), Praters Extrapunkt macht daraus ein 10:7. Dieser Drive ist in seiner Symbolik zentral, weil er die zwei Kernannahmen über Buffalo im Januar bestätigt: Allen kann die Offense nicht nur tragen, er kann sie stabilisieren. Und Buffalo kann wenn es sein muss ein Spiel in eine körperliche, methodische Richtung drücken.

Nach der Pause bleibt das Spiel eng, aber die Bills halten minimal die Nase vorn. Prater trifft im dritten Viertel erneut, diesmal aus 47 Yards zum 13:7 (8:12). Jacksonville antwortet mit einem 43-Yard-Field-Goal von Cam Little zum 13:10 (5:47). Drei Punkte hier, drei Punkte dort, es ist diese Art Partie, in der jede Red-Zone-Chance wie ein kleiner Besitzanspruch wirkt. Kein Team kann sich absetzen, aber Buffalo zwingt Jacksonville dazu, immer wieder liefern zu müssen.

Und dann kommt das vierte Viertel, in dem dieses Spiel seinen Ruf bekommt. Jacksonville eröffnet den Schlagabtausch: ein 11-Play-Drive über 62 Yards, am Ende wieder Lawrence, diesmal zu Parker Washington über sechs Yards Touchdown, 17:13 Jaguars (12:55). Die Jaguars haben jetzt nicht nur die Führung, sondern das Momentum, weil sie endlich einen Drive bauen, der nach Playoff-Reife aussieht: lang, kontrolliert, abschließend.

Die Antwort der Bills ist die erste große Zäsur: Allen führt Buffalo über 65 Yards in neun Plays und findet Dalton Kincaid zum 15-Yard-Touchdown (8:56), Prater erhöht, 20:17 Bills. In dieser Sequenz zeigt sich auch, wie schmal der Rand in den Playoffs ist: Ein einziger Drive, eine einzige Coverage-Lücke und die gesamte Erzählung wechselt erneut die Farbe.

Jacksonville kontert noch einmal und zwar so, dass es für Buffalo maximal unangenehm wird. Lawrence führt einen 77-Yard-Drive in zehn Plays, der mit einem 14-Yard-Touchdown-Pass auf Travis Etienne Jr. endet (4:03). Wieder Cam Little, wieder gut: 24:20 Jaguars. Das ist der Punkt, an dem ein Heimteam normalerweise versucht, das Spiel zu schließen: Publikum im Rücken, Führung in der Hand, weniger als fünf Minuten zu spielen. Und genau hier beginnt der Abschnitt, der diese Partie in Buffalo-Kontext historisch macht.

Denn Buffalo braucht nun zwingend einen Touchdown, ein Field Goal reicht nicht. Josh Allen liefert: 9 Plays, 66 Yards, 2:59 von der Uhr. Der Drive ist nicht nur ein Scoring-Drive, er ist ein Durchmarsch durch die entscheidenden Downs. Buffalo erzwingt in dieser Phase auch mit einem „tush push“-artigen QB-Power-Element Räume, inklusive eines wichtigen vierten Versuchs, der sie tief in Jaguars-Territorium hält. Und am Ende ist es wieder Allen selbst: 1-Yard-Rush-Touchdown bei 1:04 auf der Uhr, Praters PAT, 27:24 Bills. Das ist nicht elegant, aber in den Playoffs ist es oft die ehrlichste Form von Quarterback-Football: Wenn es ein Yard ist, dann wird er genommen.

Jacksonville bekommt noch eine letzte Chance, aber sie existiert nur für Sekunden. Auf dem ersten Play des Jaguars-Versuchs fängt Cole Bishop einen Pass von Trevor Lawrence ab, nachdem der Ball zuvor von Tre’Davious White in die Luft getippt wurde. Damit ist das Spiel entschieden, nicht durch ein langes Abwürgen, sondern durch einen einzigen defensiven Moment, der in den Playoffs immer die gleiche Botschaft trägt: Wenn du spät noch einmal ans Ufer schwimmen willst, darfst du nicht in die Strömung werfen.

In der statistischen Gesamtform wirkt dieses Spiel fast spiegelbildlich: 20 First Downs auf beiden Seiten, ähnliche Total Yards (Jacksonville 359, Buffalo 340), aber der Unterschied liegt in den Fehlern und im Timing. Jacksonville hat zwei Turnovers, Buffalo nur einen und der entscheidende kommt eben am Ende, als die Jaguars gezwungen sind, aggressiv zu sein. Buffalo kontrolliert außerdem die Uhr deutlich (33:49 Possession), was zu diesem Spiel passt: Die Bills gewinnen nicht, weil sie die Jaguars überrollen, sondern weil sie ihnen die Anzahl wirklich freier Drives begrenzen.

Und so bleibt diese Wild Card als eine Partie, die Jacksonville nicht wegen mangelnder Qualität verliert, sondern wegen der grausamen Playoff-Mathematik: Du kannst über 59 Minuten auf Augenhöhe sein,  wenn du die 60. Minute falsch spielst, ist alles weg. Buffalo dagegen gewinnt genau dort, wo Playoff-Teams sich definieren: im letzten Drive, unter maximaler Klarheit, mit einem Quarterback, der nicht fragt, ob er den Kontakt aushält, sondern ob der Gegner ihn stoppen kann.

49ers 23 – 19 Eagles

Philadelphia, Lincoln Financial Field, 11. Januar 2026: Dieses Wild-Card-Spiel gewinnt San Francisco 23:19 und es gewinnt es nicht, weil die 49ers über vier Viertel hinweg besser aussehen, sondern weil sie genau in den Momenten, in denen ein Playoff-Spiel kippt, die klareren Antworten finden. Alles, was diese Partie entscheidet, lässt sich an einer sauberen Chronologie festmachen: frühe Schläge, ein Eagles-Drive, der wie ein Lehrbuch wirkt, zwei Interceptions, aus denen Philadelphia zu wenig Kapital schlägt und dann zwei 49ers-Touchdowns im vierten Viertel, von denen einer ausgerechnet aus einem Trickspiel kommt.

San Francisco startet mit einem Statement, das sofort die Temperatur im Stadion verändert. Nach 11:54 Minuten im ersten Viertel steht es 7:0 für die 49ers: Brock Purdy wirft einen 2-Yard-Touchdown auf Demarcus Robinson. Entscheidend ist dabei nicht nur der Score, sondern wie er vorbereitet wird: Robinson bricht das Feld schon im zweiten Play des Spiels mit einem 61-Yard Catch-and-Run auf und bringt San Francisco damit praktisch auf einen Schlag an die Goalline. Es ist diese frühe Erinnerung, dass die 49ers dich nicht 10 Plays lang zermürben müssen, sie können dich auch sofort treffen, wenn du einen Winkel verlierst.

Die Eagles antworten sofort und zwar mit einem Touchdown, der die Partie in eine ungewöhnliche Richtung drückt. Dallas Goedert läuft bei 6:20 im ersten Viertel aus einem Yard in die Endzone, nachdem der Drive unter anderem durch einen 29-Yard-Run von Saquon Barkley ins Rollen kommt. Der Extrapunkt misslingt allerdings, sodass Philadelphia nur auf 6:7 verkürzt. Schon hier liegt der erste, kleine Playoff-Haken: Ein Punkt ist in solchen Spielen nie nur ein Punkt, weil er später die Entscheidungsbäume verändert – was du wann brauchst, wie aggressiv du sein musst, welche Field-Goal-Optionen noch Sinn ergeben.

Im zweiten Viertel liefern die Eagles dann den Drive, der sich wie ein Anspruch auf Spielkontrolle anfühlt. Es ist 6:13 auf der Uhr, 4th-and-2 an der eigenen 9-Yard-Linie der 49ers und Philadelphia bleibt auf dem Feld. Der Drive geht 94 Yards über 16 Plays und frisst neun Minuten. Am Ende trifft Jalen Hurts Dallas Goedert per 9-Yard-Touchdown-Pass ausgerechnet am vierten Versuch. Plötzlich führt Philadelphia 13:7, und für einen Moment sieht es so aus, als hätten die Eagles das Spiel in ihre bevorzugte Form gezwungen: lang, physisch, kontrolliert, mit dem Gefühl, dass San Francisco die Luft ausgeht.

San Francisco reagiert vor der Halbzeit mit einem wichtigen Field Goal: Bei 2:54 im zweiten Viertel trifft Eddy Piñeiro aus 36 Yards zum 13:10. Das klingt nach Schadensbegrenzung, ist aber psychologisch mehr: Die 49ers stellen sicher, dass sie zur Pause nicht mit einem vollen Touchdown zurückliegen, sondern in einer Sequenz bleiben, die das Spiel offenhält. In genau diesen Minuten kommt jedoch auch die Szene, die wie ein dunkler Schatten über dem weiteren Playoff-Run hängt: Tight End George Kittle wird zu Beginn dieses Drives vom Feld gekarrt und später als out mit Achillessehnenverletzung gemeldet. Das ist nicht nur ein Name auf dem Injury Report, sondern ein Einschnitt in Struktur und Identität, weil Kittle im 49ers-System Blocker, Sicherheitsventil und emotionaler Taktgeber zugleich ist.

Der Spieler der San Francisco 49ers, George Kittle, in voller Montur und mit Helm, sitzt nach einem möglichen Achillessehnenriss auf einem Krankenwagen und legt sein rechtes Bein hoch. Zwei Mitarbeiter helfen ihm, während die verschwommene Menge und die Stadionbeleuchtung den Hintergrund ausfüllen. Diese Beschreibung wurde mit der FootballR KI automatisch generiert.
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Das dritte Viertel ist dann die Phase, in der Philadelphia eigentlich das Spiel dicht machen könnte und in der sich später erklären wird, warum das nicht passiert. Zunächst liefert die Eagles-Defense den großen Moment: Bei 10:28 im dritten Viertel fängt Quinyon Mitchell einen Purdy-Pass ab. San Francisco schenkt den Eagles damit Feldposition und die Chance, aus dem knappen Spiel ein kontrolliertes zu machen. Aber genau hier wird dieses Wild-Card-Spiel zu einer Geschichte über verpasste Ausbeute: Trotz der Turnover schaffen es die Eagles nicht, daraus ein Polster zu bauen, das die 49ers wirklich würgt. Immerhin: Bei 2:15 trifft Jake Elliott ein 41-Yard-Field Goal zum 16:10. Das ist eine Führung, ja, aber es ist kein Schnitt. Es ist nur ein weiterer Schritt, und in den Playoffs ist nur oft gefährlich.

Dann beginnt das vierte Viertel und es beginnt mit einem Spielzug, der sich wie ein Spiegelbild des gesamten Abends liest: San Francisco gewinnt nicht, indem es „normal“ spielt, sondern indem es die Eagles auf dem Terrain überrascht, auf dem Philadelphia selbst gerne Geschichte schreibt. Auf dem ersten Play des vierten Viertels (15:00) kommt ein Trickspiel: Jauan Jennings, eigentlich Receiver, wirft einen 29-Yard-Touchdown-Pass auf Christian McCaffrey. San Francisco geht 17:16 in Führung. Dass ausgerechnet ein Trickspiel die Lead-Change auslöst, ist nicht Folklore, sondern eine brutal praktische Wahrheit: Du brauchst in engen Playoff-Spielen nicht 30 perfekte Plays, du brauchst ein oder zwei Plays, die alles verschieben. Dieses war so eines.

Philadelphia bekommt unmittelbar danach sogar die nächste große Gelegenheit, weil Mitchell erneut zuschlägt: Bei 12:04 im vierten Viertel fängt er seine zweite Interception des Spiels, wieder gegen Purdy. Das Stadion lebt, die Defense liefert zwei Picks in einem Playoff-Spiel, ein Geschenk, das normalerweise in einem Sieg endet. Doch wieder wird aus dieser Chance nur ein Field Goal: Bei 8:04 bringt Elliott ein 33-Yard-Field Goal durch, Philadelphia führt wieder 19:17. Und genau hier liegt der Kern dieser Niederlage: Die Eagles hatten in der zweiten Halbzeit mehrfach Situationen, in denen sie dem Spiel den Sauerstoff hätten nehmen können, stattdessen bleibt es ein One-Score-Spiel, in dem ein einziger Drive alles drehen kann.

Diesen Drive liefert San Francisco dann eiskalt. Mit 2:59 auf der Uhr, 3rd-and-goal an der Philadelphia 4, trifft Purdy McCaffrey zum 4-Yard-Touchdown. Es ist der saubere Gegenschlag nach dem schmutzigen Trickspiel, erst Kreativität, dann Fundamentals. Piñeiro verschießt zwar den Extrapunkt, wodurch es bei 23:19 bleibt, aber selbst das ist hier eher ein zusätzlicher Nerventest als eine echte Einladung: Philadelphia bekommt den Ball mit weniger als drei Minuten und allen drei Timeouts zurück – die Tür ist offen, aber sie ist schwer.

Die Eagles kommen tatsächlich noch einmal tief genug, um das Spiel zu retten. Mit 43 Sekunden auf der Uhr stehen sie vor einem 4th-and-11 an der San-Francisco-21. Das ist die eine Down-Situation, in der sich eine Saison zusammenzieht. Hurts wirft und unvollständig. Keine zweite Chance. Kein letzter Hail Mary-Moment, der noch einmal abprallt. Einfach ein vierter Versuch, der nicht sitzt, und damit endet die Saison des Titelverteidigers.

Wenn man dieses Spiel in einem Satz erklären will, dann so: Philadelphia gewann Phasen, San Francisco gewann die Entscheidung. Die Eagles führten zur Halbzeit 13:10 und im dritten Viertel 16:10, sie holten zwei Interceptions durch Quinyon Mitchell und bekamen Feldposition, die in Playoff-Rechnungen normalerweise reicht. Aber sie machten zu wenig daraus nur Field Goals und ließen San Francisco damit im Fenster, in dem ein Trickspiel und ein einziger Red-Zone-Drive reichen, um das Spiel zu stehlen. San Francisco wiederum überlebte nicht trotz der Turnover, sondern weil die Eagles aus diesen Turnovers keine Touchdowns machten. Das ist Playoff-Mathematik in ihrer härtesten Form.

Chargers 3 – 16 Patriots

Foxborough, Massachusetts, 11. Januar 2026. Die Nacht im Gillette Stadium gehörte einer klassischen, defensiv geprägten Playoff-Schlacht, in der die New England Patriots den Los Angeles Chargers mit 16:3 bezwangen. Dieses Ergebnis ist so unspektakulär auf den ersten Blick wie konsequent im Ablauf: Ein Spiel, das nicht über explosive Offensivaktionen entschieden wurde, sondern über Kontrolle, Fehlervermeidung und situative Effizienz sowie über die Fähigkeit einer Defense, ein scheinbar stärkeres Angriffsteam phasenweise komplett auszubremsen. Am Ende war es New Englands erste Playoff-Siege seit dem Abgang von Tom Brady, ein Meilenstein in der Neuzeit der Franchise und ein bitterer Abschluss für die Chargers-Saison.

Von Beginn an nahm die Partie jene Züge an, die man aus klassischen NFL-Playoffs kennt: enge Blues, konzentrierte Defensivreihen und selbst bei Offense-Drives vorsichtiges, fast schon vorsichtiges Voranschreiten. Die Patriots erzielten die ersten Punkte nicht durch einen Touchdown, sondern durch ein 23-Yard-Field-Goal von Andy Borregales, das ihnen im zweiten Viertel eine frühe 3:0-Führung bescherte. Dies war nicht bloß Ergebnis eines Drives, sondern Ausdruck einer strukturierten Patriots-Herangehensweise, in der jeder Down präzise ausgespielt werden musste.

Los Angeles antwortete, indem die Chargers einen eigenen 21-Yard-Field-Goal-Kick von Cameron Dicker verwandelten, der den Spielstand auf 3:3 stellte. Für einen Moment schien das Spiel eine enge Angelegenheit zu bleiben, in der beide Teams sich gegenseitig neutralisierten. Doch gerade in dieser Phase zeichnete sich ab, wie sehr New England seine Defense als Fundament des Erfolgs verstand und wie sehr die Chargers trotz eines soliden Regular-Season-Laufs offensiv Probleme hatten, in kritischen Situationen zu punkten.

Tatsächlich blieb es bis zur Halbzeit bei diesem knappen 6:3-Vorsprung für New England, eine Statistik, die auf Defensiveffizienz und Fehlerraten schließen lässt, nicht auf spektakuläre Spielzüge. Doch im dritten Viertel errangen die Patriots dann die Kontrolle über Zeit und Raum deutlicher. Ein weiterer Field Goal-Treffer von Borregales zum 9:3 brachte New England eine bessere Ausgangslage im Schlussabschnitt. Bis dahin hatten beide Teams offensive Drives aufgebaut, doch die Chargers schafften es nicht, ihre wenigen Chancen in größere Punktgewinne zu verwandeln.

Was insbesondere auffiel, war die Art und Weise, wie die Patriots-Defense den Chargers-Quarterback Justin Herbert unter Druck setzte. Philadelphia sackte Herbert mehrfach, was nicht nur Raum verlor, sondern auch seinen Rhythmus zerstörte: Los Angeles beendete das Spiel mit nur 207 Total Yards Offense, weit weniger als der Patriots-Gegnerdurschnitt, und eine Vielzahl von Drives endete per Punt.

Die Entscheidung in diesem Spiel fiel im vierten Viertel. Drake Maye, der Second-Year-Quarterback der Patriots, verband situative Kontrolle mit dem nötigen Instinkt, als er einen 28-Yard-Touchdown-Pass auf Tight End Hunter Henry anbrachte,  der einzige Touchdown des Abends und jener Score, der das Ergebnis auf 16:3 stellte. Dieser Drive demonstrierte nicht nur Mays Präzision, sondern auch die Fähigkeit, in der Red Zone unter Playoff-Druck den Ball in die Endzone zu bringen.

Der Rest der Partie verlief so, wie es ein Playoff-Spiel tun sollte: Die Patriots verteidigten ihren Vorsprung, die Chargers fanden keine Antwort mehr in der verbleibenden Zeit, und jede Offense-Possession endete mit einer kalkulierten Risikoabwägung. Die Bolts blieben damit in der Wild-Card-Runde ohne weiteren Touchdown und schieden früh aus der Postseason aus.

In der Ergebnisreflexion zeigt dieser 16:3-Sieg nicht nur die defensive Dominanz der Patriots, die den Chargers-Angriff konstant störten und den Ballbesitz für sich entschieden, sondern auch die strukturelle Reife von New Englands Team: Sie spielten mit Augenmaß, kontrollierten die Uhr und ließen wenige große Spielzüge zu

Diese Partie markiert für New England einen historischen Moment: Es ist der erste Playoff-Erfolg seit Jahren ohne Tom Brady, und gleichzeitig eine Bestätigung, dass der neue Führungsstil unter Coach Mike Vrabel und Quarterback Drake Maye in den entscheidenden Spielen Früchte tragen kann.

Für die Chargers hingegen war es ein bitterer Abschluss einer Saison, in der sie mit einem 11-6-Record und erneut ohne Playoff-Sieg endeten, ein Scheitern, das Sonderlichter auf die Notwendigkeit legt, die Offensive in entscheidenden Momenten zu stabilisieren und Fehler in der Red Zone zu reduzieren. 

Texans 30 – 6 Steelers

Houston Texans - Zwei American-Football-Spieler umarmen sich nach einem Spiel der Wild Card Round auf dem Spielfeld. Der Spieler, der der Kamera zugewandt ist, trägt ein schwarz-gelbes Steelers-Trikot mit der Aufschrift "RODGERS 8" auf dem Rücken, umgeben von Fotografen, Reportern und jubelnden Fans auf den Sitzen im Stadion. Diese Beschreibung wurde mit der FootballR KI automatisch generiert.
Foto: IMAGO / Imagn Images

In der Nacht zum 13. Januar 2026 trat ein Team an, das für seine defensive Identität in dieser Saison so viel Respekt erntete wie kaum ein anderes. Die Houston Texans reisten in den eisigen Norden Pennsylvanias zum AFC Wild Card Game gegen die Pittsburgh Steelers, eine Partie, die viele Beobachter als Duell zwischen jungem Angriffspotenzial und Pittsburghs traditionsreicher Playoff-Erfahrung sahen. Am Ende stand ein Ergebnis, das in der NFL-Postseason selten wird: ein dominanter 30:6-Auswärtssieg für Houston, der nicht nur das Spiel, sondern auch den erwarteten Verlauf auf den Kopf stellte.

Nach dem Kickoff entwickelte sich zu Beginn ein Spiel, das zunächst langsam voranschritt und kaum von großen Offensivaktionen geprägt war. Pittsburgh eröffnete die Partie über einen klassischen Field-Goal-Drive, als Chris Boswell einen 32-Yard-Kick verwandelte und die Steelers mit 3:0 in Führung brachte. Diese frühe Führung war jedoch so etwas wie ein letzter Atmenzug Pittsburghs, denn danach übernahm Houston mehr und mehr die Kontrolle über Tempo und Rhythmus, wenn auch zunächst ohne spektakuläre Spielzüge.

Die Texans erzielten ihr erstes offensives Erfolgserlebnis kurz vor der Halbzeit. Ein 14-Spielzüge-Drive über 92 Yards endete mit einem 6-Yard-Touchdown-Pass von C.J. Stroud auf Christian Kirk, wodurch Houston mit 7:3 in Führung ging. Kirk, der am Ende des Spiels 144 Receiving-Yards und den einzigen Receiving-Touchdown der Texans verbuchte, zeigte in dieser Phase seine Bedeutung für die Offense, indem er trotz der schwierigen Bedingungen konstant Yards nach dem Catch schuf und Druck von Stroud nahm.

Pittsburgh bekam in der ersten Halbzeit zwar eine weitere Chance, nachdem Stroud einen Fumble verlor, doch die Steelers konnten dieses Geschenk nicht in Punkte verwandeln und mussten stattdessen erneut Boswell einen Field Goal-Versuch aus 35 Yards verwandeln. So ging es mit einem knappen 7:6-Vorsprung für Houston in die Kabinen, einem Spielstand, der die defensive Stärke der Texans ebenso widerspiegelte wie Pittsburghs Unvermögen, Druck in Punkte umzusetzen.

Die zweite Halbzeit begann ohne direkte Zäsur, aber mit wachsender Klarheit: Die Texans-Defense dominierte zunehmend das Line-of-Scrimmage, setzte Pittsburghs Offense unter Druck und machte die kurzen Angriffsserien der Gastgeber wirkungslos. Aaron Rodgers blieb in der Folge ohne Touchdown-Pass und wurde wiederholt angegriffen, gejagt und gehindert, rhythmisch zu agieren. Er beendete das Spiel mit 17 von 33 Completed Passes für 146 Yards, ohne Touchdowns und mit einer Interception.

Die Vorentscheidung fiel im vierten Viertel. Mit einem knappen 10:6-Vorsprung erzielten die Texans zwei Scores, die das Spiel endgültig aus Pittsburghs Griff rissen. Zunächst gelang Will Anderson Jr. ein Strip-Sack auf Rodgers, bei dem Sheldon Rankins den Ball aufnahm und 33 Yards zum Touchdown zurücktrug – ein Play, das Houston auf 17:6 brachte und die Stimmung im Stadion merklich dämpfte. Wenige Minuten später setzte Calen Bullock mit einer 50-Yard-Interception-Rückkehr zum Touchdown den endgültigen Schlusspunkt, der die Führung auf 30:6 ausbaute.

Zwischen diesen defensiven Scores war auch der Laufangriff der Texans wirksam: Running Back Woody Marks brachte 112 Rushing-Yards und einen 13-Yard-Touchdownlauf, der Houston 3:38 Minuten vor Schluss auf 24:6 stellte und jede verbliebene Hoffnung der Steelers auslöschte. Marks’ Produktivität am Boden sorgte dafür, dass Houston nicht nur über Defense dominierte, sondern auch über die Kontrolle der Uhr und die Entlastung der eigenen Offense.

Offensiv hatten die Steelers trotz gelegentlicher Bewegung des Balls nie einen wirklichen Rhythmus. Pittsburgh erzielte im ganzen Spiel nur 175 Total Yards, während Houston 408 Total Yards verbuchte; dazu kamen nur 13 First Downs für Pittsburgh gegenüber 21 für Houston. Diese statistischen Unterschiede spiegeln die physische und konzeptionelle Dominanz der Texans wider, die fast alle Aspekte des Spiels kontrollierten.

Dieser Sieg bedeutete für die Texans gleich mehrere historische Meilensteine: es war die erste Playoff-Auswärtssieg in der Franchise-Geschichte, und er beendete gleichzeitig Pittsburghs ohnehin schon lange Leidenszeit im postseason Kontext, mit der siebten aufeinanderfolgenden Playoff-Niederlage bleibt Pittsburgh eines der Teams mit der längsten Durststrecke in der NFL-Postseason.

Die Partie war nicht nur ein Statement der Texans-Defense, sondern auch eine Demonstration, wie ein Team mit klarer Identität und psychologischer Härte einen Playoff-Favoriten in dessen eigener Spielstätte kontrollieren kann. Houston wird nun in der Divisional Round gegen die New England Patriots antreten, während Pittsburgh in die Offseason zurückkehrt und sich mit der Frage auseinandersetzen muss, wie ein Team mit großer Tradition und hohen Erwartungen in kritischen Momenten wieder in Form kommen kann.

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Fabian Weigl beschäftigt sich seit mehreren Jahren intensiv mit der NFL und der NCAA und bringt seine Begeisterung für American Football in fundierte Analysen und Berichte ein. Durch die kontinuierliche Auseinandersetzung mit Teams, Spielern und Spielstrategien hat er sich ein Wissen über den Sport angeeignet.

Beruflich ist er im Controlling tätig. Mit seinem ausgeprägten Blick für Details und aktuellen Entwicklungen möchte Fabian Weigl seine Leidenschaft für Football weiter vertiefen.

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