Die Seattle Seahawks sollen nach dem Super Bowl LX zum Verkauf angeboten werden. Das berichten Liga- und Eigentümerkreise, die mit den Planungen vertraut sind. Damit könnte sich eine seit Jahren schwelende Unsicherheit rund um die Besitzverhältnisse klären – ausgelöst durch den Tod von Langzeit-Owner Paul G. Allen im Jahr 2018.
Wie Quellen gegenüber ESPN erklärten, laufen die Gespräche über einen möglichen Verkauf auf Liga- und Eigentümer-Ebene seit mindestens einer Woche.
Seattle Seahawks gehören seit 2018 dem Allen-Nachlass
Seit 2018 befinden sich die Seahawks im Besitz des Nachlasses von Paul Allen, der auch die Portland Trail Blazers (NBA) kontrolliert. Allens Schwester Jody Allen fungiert als Testamentsvollstreckerin und verwaltet beide Teams. Sie folgt dabei einer Vorgabe ihres verstorbenen Bruders: Die Franchises sollen zu einem späteren Zeitpunkt verkauft und die Erlöse im Rahmen von Allens langfristigem philanthropischen Plan wohltätigen Zwecken zugeführt werden.
Bereits im Juli 2022 hatte Jody Allen öffentlich klargestellt, dass weder die Seahawks noch die Trail Blazers damals zum Verkauf standen – gleichzeitig bestätigte sie aber, dass ein Verkauf grundsätzlich vorgesehen sei. Aufgrund der Komplexität des Nachlasses könne dessen Abwicklung 10 bis 20 Jahre dauern, es gebe „keinen festgelegten Zeitplan“. Damals sagte sie: „Bis dahin liegt mein Fokus – und der unserer Teams – auf dem Gewinnen.“
Keine 10%-Abgabe an den Staat Washington mehr
Ein Verkauf würde nun nach einem entscheidenden Stichtag stattfinden: Ab diesem Zeitpunkt löst eine Transaktion keine Verpflichtung mehr aus, 10% des Verkaufserlöses mit dem Bundesstaat Washington zu teilen. Diese finanzielle Hürde galt lange als ein zentraler Faktor bei der zeitlichen Planung.
Sollte die Franchise tatsächlich nach dem Super Bowl offiziell auf den Markt kommen, wäre das ein Novum: Es wäre das erste Mal in der Super-Bowl-Ära, dass eine komplette Franchise, die kurz zuvor im Endspiel stand, unmittelbar danach zum Verkauf angeboten wird.
Die Seahawks treffen am 8. Februar in Santa Clara (Kalifornien) im Super Bowl LX auf die New England Patriots.
Rekordpreis möglich: 7 bis 8 Milliarden Dollar im Raum
Ein Verkauf könnte nun einen neuen Rekord für den Preis einer NFL-Franchise aufstellen – angesichts von Marktstärke, sportlicher Relevanz und der zusätzlichen Super-Bowl-Strahlkraft.
Die Bewertungen von Sport-Franchises sind in den letzten Jahren massiv gestiegen. Sportico legt den Wert der Seahawks derzeit auf 6,59 Milliarden Dollar fest (Platz 14 in der NFL). Zum Vergleich: Die Washington Commanders wurden 2023 für damals rekordverdächtige 6,05 Milliarden Dollar an eine Gruppe um Josh Harris verkauft.
Ein Seahawks-Executive erklärte, die Franchise könne zwischen 7 und 8 Milliarden Dollar einbringen.
Stabil, begehrt, laut: Warum Seattle so attraktiv ist
Die Seahawks gelten ligaweit als eine der stabilsten und attraktivsten Organisationen. Sie erreichten in sieben der letzten zehn Seasons die Playoffs und spielen im Lumen Field, das als eines der schwierigsten Auswärtsstadien der NFL gilt.
Zusätzlich wird das Stadion im Vorfeld der FIFA-WM 2026 für knapp 20 Millionen Dollar modernisiert.
Auch sportlich wirkt Seattle bestens aufgestellt: General Manager John Schneider und Head Coach Mike Macdonald genießen großes Ansehen. Die bedeutendste Entscheidung unter Jody Allen fiel nach der Saison 2023, als sich Seattle von Langzeit-Coach Pete Carroll trennte und Schneider zum zentralen Entscheider aufwertete. Schneider holte anschließend Macdonald, der Seattle in seinen ersten beiden Jahren zu Regular-Season-Bilanzen von 10 bzw. 14 Siegen führte – und nun zur vierten Super-Bowl-Teilnahme der Franchise-Geschichte.
Macdonald lobte Allens Rolle und Unterstützung ausdrücklich:
„Was mir an Jody besonders aufgefallen ist, war ihre Begeisterung für die Vision, wohin sie unser Team und unsere Franchise führen will.“
Jody Allen, die öffentliche Interviews meist meidet, äußerte sich zuletzt vergangene Woche im Lumen Field bei der Übergabe der NFC-Championship-Trophäe:
„Ich bin unglaublich stolz, heute hier zu stehen und das im Namen aller 12s hier, im ganzen Land und weltweit entgegenzunehmen.“
Trail Blazers ebenfalls vor Verkauf
Parallel dazu bewegen sich auch die Portland Trail Blazers in Richtung Verkauf. Berichten zufolge soll das Team für mehr als 4 Milliarden Dollar an eine Gruppe um Investor Tom Dundon gehen. Dundon ist auch Besitzer der Carolina Hurricanes (NHL).
Sollten die Seahawks nach dem Super Bowl tatsächlich offiziell auf den Markt kommen, ist mit einer intensiven und historischen Bieterschlacht zu rechnen. Ein Verkauf wäre nicht nur ein gigantisches Business-Ereignis für die NFL, sondern auch ein weiterer Schritt zur Umsetzung von Paul Allens philanthropischem Vermächtnis.



