Bad Bunny: Die „versteckten“ Messages der Halftime Show

Alexander R. Haidmayer
Lesezeit: 7 Min.
Bad Bunny - Super Bowl LX - Eine Gruppe von Menschen in hellen Outfits (darunter Jessica Alba, Cardi B, Karol G)steht und interagiert auf einem rosafarbenen Bühnenbild mit Türen und Säulen, das an eine lebendige Halftime-Show-Performance mit versteckten Botschaften erinnert, die das Publikum entdecken kann. Alt-Text wurde KI-generiert.
Foto: IMAGO / UPI Photo

Bad Bunny hat die Bühne des Super Bowl LX nicht einfach nur bespielt, er hat sie genutzt. Für eine der politischsten, kulturell dichtesten und symbolträchtigsten Halftime Shows der jüngeren NFL-Geschichte. Seine rund 13 Minuten waren weniger Pop-Konzert als Manifest: für Puerto Rico, für Latinos in den USA, für eine andere Definition von „America“.

Eine Bühne wie ein politisches Statement

Schon das Bühnenbild machte klar, wohin die Reise geht. Keine glitzernde US-Ikonografie, keine Stars-and-Stripes-Ästhetik. Stattdessen eine Szenerie, die stark an Puerto Rico erinnerte: Feldarbeiter, Erde, Hitze, harte körperliche Arbeit. Eine bewusste Referenz auf die historischen Zucker- und Obstplantagen der Insel und auf das Vermächtnis jener Menschen, deren Arbeit den Wohlstand anderer ermöglicht hat, ohne selbst davon zu profitieren.

Bad Bunny rückte damit jene ins Zentrum, die sonst unsichtbar bleiben. Die Halftime Show begann nicht mit ihm, sondern mit ihrer Geschichte.

Im weiteren Verlauf teilte Bad Bunny die Bühne mit Latinos, die für reale Erfolgsgeschichten stehen – keine Statisten, sondern Symbole. Ein Taco-Unternehmen aus Los Angeles, das im Garten der Großeltern begann und heute preisgekrönt ist. Eine Frau, die in New York einen puerto-ricanischen Club betreibt – jenen Club, den Bad Bunny bereits in „NUEVAYoL“ verewigte. Dazu erfolgreiche Boxer wie Xander Zayas (Puerto Rico) und Emiliano Vargas (Mexiko).

Er zeigte: Wir sind nicht nur Teil der Kultur – wir prägen sie.

Unterstützt wurde diese Botschaft auf der Bühne durch prominente „Statisten“ wie Karol G, Pedro Pascal, Cardi B, Jessica Alba, Young Miko und Ronald Acuña Jr. – allesamt Gesichter einer Community, die längst global erfolgreich ist, aber in den USA noch immer um Anerkennung kämpfen muss.

Eine Gruppe von Menschen in hellen, stilvollen Outfits steht auf einer farbenfrohen rosa Kulisse mit Treppen und Grünpflanzen, die an eine lebhafte Halftime-Show erinnert und interagiert. Alt-Text wurde KI-generiert.
Foto: yahoo

 

Screenshot: Facebook

Hoffnung für die nächste Generation

Einer der emotionalsten Momente der Show war der Blick auf ein Kind vor dem Fernseher. Ein kleiner Junge sieht, wie Bad Bunny bei den Grammys „Album of the Year“ gewinnt – und Bad Bunny überreicht ihm symbolisch den Grammy. Die Botschaft ist klar: Glaub an dich. Auch du kannst das schaffen.

Viele Zuschauer glaubten zunächst, es handle sich um den fünfjährigen Liam, der zuvor von ICE festgehalten wurde und erst nach Protesten freikam. Tatsächlich war es Lincoln Fox. Doch dass diese Verwechslung überhaupt möglich war, zeigt, wie präsent das Thema ist und wie sehr Bad Bunny bewusst an reale politische Wunden rührt. Dass Donald Trump mit dieser Performance wenig anfangen konnte, überrascht kaum.

Die Super Bowl Halftime Show ist absolut schrecklich, eine der schlechtesten, die es je gab! Sie macht keinen Sinn, ist eine Beleidigung für die Größe Amerikas und repräsentiert nicht unsere Standards für Erfolg, Kreativität oder Exzellenz“, schrieb Trump.

Trump schien auch Bad Bunny ins Visier zu nehmen, der hauptsächlich auf Spanisch auftrat, und sagte: „Niemand versteht ein Wort von dem, was dieser Typ sagt, und der Tanz ist ekelhaft, besonders für kleine Kinder, die in den gesamten USA und auf der ganzen Welt zuschauen.“ Er fügte hinzu: „Diese ‚Show‘ ist einfach ein ‚Schlag ins Gesicht‘ für unser Land.“

Musik als politisches Werkzeug

Musikalisch blieb Bad Bunny kompromisslos. Die gesamte Performance war auf Spanisch – bis auf einen einzigen Satz am Ende (God bless America – allerdings mit anderem Meaning). Besonders stark: „El Apagón“. Während er den Song performt, erscheinen Strommasten auf der Bühne – ein Symbol für die marode Infrastruktur Puerto Ricos und die regelmäßigen Stromausfälle, unter denen die Insel leidet.

Die Message ist unmissverständlich: Die USA lassen Puerto Rico im Stich, obwohl es Teil der Vereinigten Staaten ist. Bad Bunny machte ein strukturelles Problem zur Hauptbühne der amerikanischen Sportkultur.

Auch die Gastauftritte waren mehr als Fanservice. Lady Gaga performte eine Salsa-Version von „Die With a Smile“ – ein Brückenschlag zwischen Pop-Mainstream und lateinamerikanischer Musik. Ricky Martin, einer der Wegbereiter spanischsprachiger Musik im US-Mainstream, trat vor einer Szenerie auf, die an Bad Bunnys Albumästhetik erinnerte. Vergangenheit und Gegenwart einer Bewegung auf einer Bühne.

Eine echte Hochzeit und ein kollektives Gefühl

Fast beiläufig, aber umso wirkungsvoller: eine echte Hochzeit mitten in der Halftime Show. Ein reales Paar, das eigentlich Bad Bunny zu seiner Hochzeit eingeladen hatte – und stattdessen von ihm auf die größte Bühne der Welt geholt wurde. Eine Szene, die viele an ihre eigene Kindheit erinnerte: laute Feiern, schlafende Kinder auf Stühlen, Gemeinschaft. Latino-Kultur, ungefiltert.

Selbst sein Outfit war Teil der Erzählung. Komplett von Zara – bewusst gewählt. Eine spanische Marke, passend zu einer Performance, die sprachlich, kulturell und inhaltlich vollständig auf Spanisch stattfand. Kein Zufall, sondern Konsequenz.

God bless America – ein neuer Amerika-Begriff

Am Ende dann der einzige englische Satz – beziehungsweise dessen bewusste Abwesenheit. Bad Bunny sagt: „God bless America“ und zählt alle Länder des amerikanischen Kontinents auf. Auf der Leinwand steht:

„The only thing more powerful than hate is love.“

Ein Ball trägt die Aufschrift: „Together we are all America.“

Bad Bunny definiert Amerika neu. Nicht als Nationalstaat, sondern als Kontinent. Als Gemeinschaft. Als Idee.

Diese Halftime Show war keine Provokation um der Provokation willen. Sie war ein kulturelles Statement, präzise geplant, politisch aufgeladen und emotional tief verankert. Bad Bunny hat den Super Bowl genutzt, um Geschichte zu erzählen und um klarzumachen, dass Liebe, Identität und Zusammenhalt mächtiger sind als Ausgrenzung und Hass.

Nicht nur ein Auftritt. Ein Kapitel Pop- und Sportgeschichte.

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Alexander R. Haidmayer - Experte für Football und Gründer von FootballR.

Alexander Haidmayer ist ein angesehener Experte im Bereich Football und Gründer von FootballR, einer führenden Plattform für Footballnachrichten. Seit 2013 ist er mit Leidenschaft und Fachwissen in der Welt des Footballs tätig und hat sich einen Namen als Experte auf diesem Gebiet gemacht.

Neben seiner Rolle als Gründer und Eigentümer von FootballR ist Alexander R. Haidmayer seit 2006 auch als Mitarbeiter bei der renommierten Kleinen Zeitung tätig. Diese langjährige Erfahrung ermöglicht es ihm, fundierte Einblicke und exklusive Informationen aus der Footballwelt zu liefern.

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