SUPER BOWL LX – Zu Beginn der Saison hätte wohl kaum jemand mit einem Super-Bowl-Duell zwischen den Seattle Seahawks und den New England Patriots gerechnet. Doch gemessen an den Leistungen beider Teams ist dieses Aufeinandertreffen ein absolut passendes Finale. Seattle geht als klarer Favorit ins Spiel und gilt als eines der komplettesten Teams der NFL. New England jedoch ist brandgefährlich und jederzeit in der Lage, seiner beeindruckenden Trophäensammlung einen weiteren Ring hinzuzufügen.
Wir werfen einen Blick auf drei Matchups, die den Ausschlag geben könnten.
Patriots-Offensive-Line vs. Seahawks-Defensive-Line
Die Patriots-Offense war in der Regular Season nahezu nicht zu stoppen. Laut TruMedia lag New England mit 3,1 Punkten pro Drive mit Abschluss gleichauf mit den Rams an der Ligaspitze. Motor des Angriffs war Quarterback Drake Maye, der mit 0,28 EPA pro Dropback alle Spielmacher der Liga anführte. Zum Vergleich: Tom Brady erreichte diesen Wert in seiner Hall-of-Fame-Karriere lediglich zweimal.
In den Playoffs lief es jedoch deutlich holpriger. Die Effizienz pro Drive halbierte sich in den letzten drei Spielen, und Maye kommt bislang nur auf -0,12 EPA pro Dropback – Platz zehn unter den Playoff-Quarterbacks. Hochgerechnet auf eine ganze Saison wäre das lediglich Rang 32 unter qualifizierten Passern.
Das ist weniger eine Kritik an Maye als vielmehr ein Spiegelbild der Probleme in der Offensive Line. Gegen die Chargers, Texans und Broncos kassierte New England jeweils fünf Sacks. Maye fehlen damit nur noch vier, um den unliebsamen Playoff-Rekord von Joe Burrow einzustellen. Und ausgerechnet im Super Bowl wartet nun die wohl härteste Prüfung.
Die Seahawks setzen in den Playoffs auf Druck ohne Blitz: Sie attackieren Quarterbacks bei 42,7 % der Dropbacks, obwohl sie nur in 12 % der Fälle blitzen. Bereits in der Regular Season gehörte Seattle zu den Top-6-Teams in der Pressure Rate – bei gleichzeitig niedriger Blitz-Frequenz. Die Defensive Line um DeMarcus Lawrence, Leonard Williams, Byron Murphy II und Uchenna Nwosu dominiert mit purer Qualität.
Für New England wird entscheidend sein, ob insbesondere Rookie-Left-Tackle Will Campbell standhalten kann. Nach seiner Rückkehr von einer Knieverletzung erlaubte er in drei Playoff-Spielen drei Sacks und elf Pressures. Gelingt es ihm, Lawrence und Nwosu zumindest einzudämmen, eröffnen sich Chancen für das vertikale Passspiel der Patriots. Falls nicht, dürfte es ein langer Abend werden.
Sam Darnold gegen Druck

Sam Darnold steht kurz davor, eine der größten Comeback-Geschichten der NFL-Geschichte zu vollenden. Was lange wie ein unrealistisches Märchen klang, ist Realität: Der frühere Draft-Flop ist heute ein legitimer Super-Bowl-Quarterback.
Dennoch liegt hier New Englands größte Chance. Trotz seiner starken Saison bleibt Darnold anfällig für Fehler. Mit 20 Turnovers führte er die Liga in der Regular Season an. Seine 14 Interceptions waren der dritthöchste Wert – so viele wie zuletzt in seiner Rookie-Saison 2018.
Die Patriots-Defense dürfte genau hier ansetzen. Zwar lief Seattle häufig den Ball (Platz drei bei Run Rate 2025), doch mit überschaubarem Erfolg: Die Seahawks landeten unter den Bottom fünf in der Rush Success Rate. New England hingegen dominierte in den Playoffs die Line of Scrimmage und kam auf eine Rush Success Rate von 60,3 % – besser als jedes Team der Regular Season.
Sollte Seattle gezwungen sein, das Spiel über Darnolds Arm zu entscheiden, wird es brisant. Zwar brillierte er im NFC Championship Game mit 346 Yards und drei Touchdowns gegen die Rams – allesamt unter Druck –, doch in der Regular Season lag er bei EPA/Dropback unter Pressure nur auf Rang 24. New England wird alles daransetzen, ihn wieder in diese Zone zu drängen.
Die Patriots haben in den Playoffs aggressiv umgestellt und blitzten bei 39,8 % der Dropbacks – deutlich mehr als in der Regular Season (27,2 %). Das Resultat: Platz eins bei Pressure Rate (51,9 %) und Turnovers (acht). Bleibt Darnold fehlerfrei, ist Seattle klar im Vorteil. Ein einziger Ballverlust könnte jedoch das gesamte Spiel kippen.
Das Return Game
Angesichts der defensiven Dominanz beider Teams deutet vieles auf ein enges, punktarmes Spiel hin. Umso größer könnte die Bedeutung der Special Teams werden.
Seattle beendete die Regular Season auf Platz drei in Special Teams EPA. Die Seahawks zwangen Gegner zu schlechten Startpositionen nach Kickoffs, starteten selbst oft günstig und gehörten zu den besten Teams bei Punt-Returns. Und das, obwohl Rashid Shaheed erst zur Trade Deadline kam.
Der explosive Returner ist jederzeit für einen Touchdown gut – wie bereits in der Divisional Round eindrucksvoll zu sehen war. New England muss ihn unbedingt kontrollieren. Gleichzeitig gibt es jedoch eine Schwachstelle: Seattles Punt Coverage. Nur die Rams ließen im Schnitt mehr Return-Yards zu.
Hier kommen die Patriots ins Spiel. Mit 17,3 Yards pro Punt Return stellte New England den besten Wert seit 2019. Marcus Jones, Second-Team All-Pro, sorgte mit Touchdown-Returns über 87 und 94 Yards für Highlights.
Seit Percy Harvin 2013 hat es keinen Special-Teams-Touchdown mehr im Super Bowl gegeben. Sollte diese Serie am Sonntag reißen, könnte genau dieser Spielzug darüber entscheiden, wer am Ende die Lombardi Trophy in die Höhe stemmt.



