Die Regular Season ist vorbei, die Playoffs sind eröffnet – und gleich in der Wild Card Round zeigte sich, wie brutal, überraschend und eng der Weg zum Super Bowl werden kann. Von Sensations-Comebacks über Quarterback-Duelle bis hin zu Coaching-Entscheidungen unter höchstem Druck: Die erste Runde der Postseason 2025/26 bot alles, was Playoff-Football ausmacht.
Die Wild Card Spiele am Sonntag
Vrabels Defense glänzt
Die neu formierte Offense hat in New England zuletzt den Großteil der Aufmerksamkeit auf sich gezogen – und das völlig zu Recht. So läuft das nun einmal, wenn ein Quarterback im zweiten Jahr einen gewaltigen Entwicklungssprung hinlegt und mit einem MVP-würdigen Durchbruch eine komplette Franchise binnen einer Saison umkrempelt. Doch der erste Playoff-Sieg der Patriots seit 2018 zeigt: Auch die Defense unter Mike Vrabel formt etwas ganz Besonderes.
Da die Patriots die Regular Season nur auf Rang 20 bei der Sack-Rate beendeten, schien das Duell gegen die angeschlagene Offensive Line der Chargers auf dem Papier durchaus machbar. Doch Vrabel hatte andere Pläne. Laut PFF erhöhte New England seine Blitz-Frequenz massiv und produzierte sechs Sacks bei 30 Pressures – ein Wert, der dem Saisonhöchstwert eines einzelnen Teams entspricht.
Dass die Patriots bereits im ersten Jahr dieser neuen Ära auf beiden Seiten des Balls dieses Niveau erreichen, ist ein extrem positives Zeichen für die Zukunft. Was mit ein oder zwei weiteren Offseasons möglich ist, lässt sich erahnen. Doch das ist ein Thema für später. Die Grundlage ist gelegt – dieses Team ist schon jetzt bereit, um den Titel mitzuspielen. Sollte New England tatsächlich durch die AFC marschieren, werden all die Diskussionen über einen „leichten Spielplan“ schnell verstummen.
Herbert steckt ein – und überzeugt nicht

Der desolate Zustand der Offensive Line der Chargers ist seit Monaten ein Dauerthema. Spätestens nachdem Joe Alt Rashawn Slater auf der Injured Reserve folgte, brach das Konstrukt komplett zusammen. In der Regular Season kassierte Los Angeles ligaweit die meisten 138 Quarterback Hits. Gegen New Englands blitzlastigen Gameplan setzte sich dieser Trend fort: verpasste Blocks, falsche Zuordnungen – und ein Justin Herbert, der ordentlich einstecken musste.
Dass Greg Romans Scheme kaum schnelle Antworten gegen konstanten Druck lieferte, macht deutlich: Ein neuer Offensive Coordinator dürfte ganz oben auf der Wunschliste stehen.
All das darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch Herbert selbst nicht gut genug war. die gängige Annahme ist, dass ein Quarterback mit seinem Talent die kritischen Narrative irgendwann entkräften würde. Doch diese Argumente werden zunehmend schwerer zu verteidigen. Herbert steht nun bei 0-3 in den Playoffs und rangiert seit seinem Playoff-Debüt 2023 unter allen qualifizierten Playoff-Quarterbacks auf dem letzten Platz – mit -0,41 EPA pro Dropback. Zum Vergleich: Das ist sogar schlechter als J.J. McCarthys -0,34 in seinem historisch schwachen Sechs-Spiele-Start.
Wir glauben weiterhin, dass Herbert seinen Durchbruch erleben wird. Ein besseres Playcalling würde ihm helfen. Aber nach sechs Jahren darf man erwarten, dass ein 52,5-Millionen-Dollar-Quarterback in dieser Jahreszeit Spiele an sich reißt. Noch warten wir darauf.
Minter – ein Coach mit Zukunft
Dass die Chargers-Defense Drake Maye und die Patriots auf eine saisonweit niedrige 40 % Pass-Success-Rate hielt, geht im Endergebnis fast unter. Jesse Minters Unit lieferte eine starke Leistung gegen eine der effizientesten Offenses der Liga. Ironischerweise könnte genau dieses Spiel den letzten Baustein für seinen Abschied liefern.
Minter darf nun mit allen Teams sprechen, die offene Headcoach-Positionen haben – und es dürfte nicht lange dauern, bis die ersten Interviewanfragen eintreffen. Sein Werdegang erinnert stark an den von Mike Macdonald: gemeinsame Zeit in Baltimore, dominante Defense in Michigan, anschließend Erfolg in der NFL. Kein Wunder also, dass Teams prüfen wollen, ob Minter diesen Weg als Head Coach fortsetzen kann.
Die Zahlen sprechen für sich: Rang sechs in EPA/play und Rang acht in Success Rate über zwei Jahre hinweg – unabhängig vom verfügbaren Personal. Eine Wette, die viele eingehen werden.
Coaching entscheidet das Spiel
Die 49ers mussten in dieser Saison einen personellen Rückschlag nach dem anderen verkraften. Der Achillessehnenriss von George Kittle gegen die Eagles war nur das nächste Kapitel dieses Albtraums – und vergrößerte den Talentunterschied zu den amtierenden Champs weiter. Dass San Francisco trotzdem gewann, ist der beste Beweis dafür, dass Football nicht auf dem Papier entschieden wird.
Ein deutliches Plus im Coaching glich das Talentdefizit aus. Kyle Shanahan fand trotz zweier harter Brock-Purdy-Interceptions immer wieder die richtigen Antworten gegen eine Elite-Defense. Besonders auffällig: die gezielte Attacke auf die Safeties – die wohl einzige Schwachstelle der Eagles. Ein perfekt getimter Trickspielzug-Touchdown zu Beginn des vierten Viertels wirkte wie der Wendepunkt.
Ohne Kittle und Ricky Pearsall erzielten die 49ers laut TruMedia eine Pass-Success-Rate von 54,5 % – der beste Wert gegen Philadelphia seit 2023. Auch Robert Saleh überzeugte mit einer zusammengewürfelten Defense und untermauerte damit eindrucksvoll seinen Anspruch auf eine zweite Chance als Head Coach.
Auf der Gegenseite zeigte sich erneut Phillys strukturelles Problem. Vic Fangio bleibt ein Elite-Koordinator, doch allein auf die Defense zu setzen, während die Offense stagniert, ist ein riskantes Spiel. Kevin Patullos Unit präsentierte sich wie in der Regular Season: Eine angeschlagene 49ers-Defense erlaubte 63,9 % Pass-Success-Rate – Saisonhöchstwert.
Und dann war da noch Nick Siriannis Timeout-Management: Bei einem kritischen 4th-and-11 mit 43 Sekunden auf der Uhr nahm er ein Timeout – und beraubte sein Team der Chance auf einen letzten Ballbesitz. Das besser gecoachte Team zog verdient in die Divisional Round ein.
Große Veränderungen stehen bevor

Veränderungen im Trainerstab der Eagles scheinen unausweichlich. Vor allem offensiv darf es nach dieser enttäuschenden Saison kein „Weiter so“ geben. Kaum eine Unit hat ihr Talent so ineffizient genutzt. Der erste Schritt dürfte bei Patullo erfolgen – doch die entscheidende Frage ist, ob es dabei bleibt.
Zur Klarstellung: Ein sofortiger Rauswurf von Sirianni ist keineswegs zwingend. Vor weniger als einem Jahr führte er die Eagles in den Super Bowl und besitzt mit .694 die beste Regular-Season-Siegquote aller aktiven Head Coaches – ein Wert, der ihn historisch in die Top fünf einordnet. Doch die Messlatte in Philadelphia liegt hoch, und es ist bereits das zweite Mal, dass eine von ihm eingesetzte Offensive Coordinator-Lösung spektakulär scheitert.
Vielleicht greift GM Howie Roseman erneut ein – wie es viele bereits bei den Verpflichtungen von Kellen Moore und Fangio vermuten. Sollte Sirianni bleiben, könnte genau das nötig sein. Doch langfristig muss sich ein Head Coach mit offensivem Hintergrund auch für die eigene Seite des Balls verantworten. Selbst mit einem Super-Bowl-Auftritt im Lebenslauf stellt sich die Frage: Ist Sirianni der Richtige, um dieses Titel-Fenster maximal zu nutzen?
Falls nicht, wäre ein Wechsel logisch. Und mit John Harbaugh, der nach seinem Aus in Baltimore verfügbar ist und eine Vergangenheit bei den Eagles hat, gäbe es eine hochkarätige Alternative. Sollte Philadelphia diesen Schritt gehen, wäre eine prominente Reunion keine Überraschung.
Der ultimative Krieger

Josh Allen… Viel wurde darüber gesprochen, dass dies seine beste Chance auf den Super Bowl sei, da andere Superstar-Quarterbacks fehlen. Diese Erzählung übersieht jedoch eines: Es ist wohl das schwächste Bills-Team seit seinem Durchbruch 2019.
Die Run-Defense ist nahezu hilflos, das Receiving Corps liefert kaum Unterstützung, und selbst das sonst so starke Laufspiel half gegen Jacksonville wenig. Dazu kommt Allens angeschlagener Gesundheitszustand: Seit Week 16 spielt er mit einer Fußverletzung und musste im ersten Viertel gleich zweimal ins Medical Tent – einmal zur Concussion-Abklärung, später wegen Knieproblemen.
Für jeden normalen Menschen wären das genug Gründe, die Saison innerlich abzuhaken. Doch Allen ist kein normaler Spieler. Football sollte nie auf ein reines Quarterback-Duell reduziert werden – dafür ist es zu sehr ein Teamsport. Und dennoch: Wie kann man es jemandem verdenken, wenn ein einzelner Akteur das Kräfteverhältnis derart verschiebt?
Die Bills haben eine reale Chance auf ihren ersten Super-Bowl-Titel, weil ihr Quarterback der dominanteste Spieler des Planeten ist. Vielleicht ist es ausgerechnet dieses fehlerhafte Team, das den letzten Schritt schafft. Irgendwie würde es passen.
Fragen an Coen
Nach dem starken Saisonendspurt mit einem revitalisierten Trevor Lawrence, der Jacksonville zu acht Siegen in Serie führte, schien klar: Dieses Team war bereit. Vielleicht waren die „Neuen“ am Ende doch dazu verdammt, an den nächsten Josh-Allen-Heldentaten zu scheitern – diese Möglichkeit lässt sich nicht völlig ausklammern. Dennoch bleibt festzuhalten: Jacksonville hat hier eine große Chance liegen lassen.
Den Ball zu laufen war in dieser Saison der mit Abstand beste Weg, die Bills zu schlagen. Und genau das funktionierte auch in diesem Spiel hervorragend. Travis Etienne kam auf 67 Yards bei 10 Läufen, Bhayshul Tuten steuerte 51 Yards bei nur vier Versuchen bei. Insgesamt erzielten die Jaguars eine Success Rate von 66,7 % bei Runs der Running Backs – der geteilte Bestwert in einem Playoff-Spiel seit 2006.
Das Problem: Das Volumen fehlte. Viel zu wenig, um das Spiel entscheidend zu kippen. Offensive Coordinator Liam Coen sprach in einem Sideline-Interview zur Halbzeit davon, wieder stärker auf den Lauf zu setzen – doch auf dem Feld änderte sich kaum etwas. Etienne erhielt in der zweiten Halbzeit nur sieben Carries, Tuten keinen einzigen. Während Lawrence konstant in enge Fenster werfen musste, verabschiedete sich Coen von dem offensichtlichsten Erfolgsrezept. Eine Entscheidung, über die er sich noch lange ärgern dürfte.
Ein günstiger Weg?
Ein weiterer Punkt zur Run Defense der Bills – und für alle Fans in Buffalo, die dieses Thema leid sind: Diesmal könnte es sogar positiv sein.
Ja, diese Defense ist anfällig. Und mit Ed Oliver, der sich während der Reha nach einem Bizepsriss erneut am Knie verletzte, sind kurzfristig keine Verstärkungen zu erwarten. Blickt man jedoch auf den möglichen Weg durch die AFC, fällt auf: Viele der kommenden Gegner sind gar nicht darauf ausgelegt, Buffalo am Boden zu dominieren.
Die Broncos, Patriots und Texans belegten in der Regular Season die Ränge 23, 24 und 29 in EPA/Rush. Klingt machbar. Der Haken: Jacksonville wirkte am Boden nahezu unstoppable – obwohl die Jaguars seit Week 10 sowohl in EPA/Rush als auch in der Run-Success-Rate nur auf Rang 31 lagen.
Das nährt den Verdacht, dass diese Bills-Run-Defense prinzipiell von jedem Gegner auseinandergenommen werden kann. Gleichzeitig hätten sie für die nächsten zwei Wochen kaum günstigere Matchups erwischen können. Kommt nach all den Jahren des Herzschmerzes nun endlich alles für Buffalo zusammen?
Samstag Games
Erst der Anfang
Was für ein Unterschied ein Jahr machen kann. Bears-Fans hatten wenig Freude an dem chaotischen Trümmerfeld, das sich in Caleb Williams’ Rookie-Saison formte. Angesichts Chicagos problematischer Quarterback-Historie war die Sorge groß, erneut ein Generationstalent zu verschwenden. Doch genau hier liegt der Vorteil eines solchen Spielers: Plötzlich wird dein Team zu einem der attraktivsten Coaching-Jobs der gesamten NFL.
Dass die Bears Ben Johnson aus Detroit loseisen konnten, hat diese Franchise auf einen Weg Richtung regelmäßiger Super-Bowl-Teilnahmen gebracht. Vielleicht noch nicht in diesem Jahr – die Defense braucht vermutlich noch eine weitere Offseason, um Dennis Allens Vision vollständig umzusetzen. Doch das sensationelle Comeback am Samstagabend, bei dem ein 21:3-Halbzeitrückstand aufgeholt wurde, zeigte eindrucksvoll: Diese Offense ist bereits auf dem besten Weg, all das zu werden, was man sich von der Kombination Johnson/Williams erhofft hatte. Der Gedanke an die kommenden Jahre ist beinahe furchteinflößend.
LaFleurs Zukunft
Der Name Matt LaFleur taucht in diesem Coaching-Zyklus häufiger auf, als man erwarten würde. Schwer vorstellbar, dass Green Bay ernsthaft über eine Trennung von einem Coach nachdenkt, der in sieben Jahren eine Bilanz von 76-40-1 vorweisen kann und nur einmal die Playoffs verpasst hat. Möglich, dass es sich lediglich um öffentliches Säbelrasseln vor anstehenden Vertragsgesprächen handelt.
Sollte es intern jedoch auch nur leise Zweifel geben, dann war die Niederlage am Samstagabend kein Argument für LaFleur. Eine komfortable Führung gegen den Divisionsrivalen zu verspielen, ist ein bitteres Saisonende. Vor diesem Spiel waren NFL-Teams 158-3, wenn sie im vierten Viertel eines Playoff-Spiels mit mindestens 15 Punkten führten.
Dass Green Bays Offense in der zweiten Halbzeit komplett ins Stocken geriet, trug maßgeblich zum Kollaps bei. Hinzu kamen fragwürdige Entscheidungen im Game Management, die den Packers auf der letzten Angriffsserie die Timeouts raubten. Sollten die Packers ihren Coach wirklich entlassen, wäre LaFleur sofort der begehrteste Kandidat auf dem Markt. Doch es scheint zumindest möglich, dass sich im ohnehin chaotischen Coaching-Karussell noch eine weitere große Wendung ergibt.
Jetzt keine Zweifel mehr

Williams lieferte bereits in der Regular Season zahlreiche Wow-Momente – eigentlich nichts Neues. Doch wir wissen, wie Quarterback-Diskurse funktionieren. Kritiker suchen stets nach Schwachstellen, und Williams’ 58,1 % Completion Rate (Letzter unter allen Full-Time-Startern) bot Statistikjägern reichlich Munition. Die entscheidende Frage lautet jedoch: Wie viele der Quarterbacks über ihm können Würfe dieser Kategorie anbringen?
Das unglaubliche Comeback wäre ohne Williams’ übermenschlichen Play bei 4th-and-8 und elf Punkten Rückstand im Schlussviertel nicht möglich gewesen. Ja, die Bears wünschen sich langfristig eine höhere Passquote. Diese Effizienz wird kommen. Doch solange die Fehlwürfe keine spielentscheidenden Turnover sind – Williams kam in der Regular Season auf nur sieben Interceptions – wer würde nicht ein paar Ungenauigkeiten gegen dieses Maß an spielveränderndem Talent eintauschen?
Seine Fähigkeit, Plays zu kreieren, wenn alles zusammenbricht, gehört bereits jetzt zur absoluten Spitze der Liga. Gib ihm ein weiteres Jahr unter Johnson, und Williams wird sich ligaweit in jeder relevanten Diskussion wiederfinden.
Ein Star im Werden
Williams mit einem Elite-Coaching-Staff zu umgeben, war nur ein Teil des Plans. Nachdem die Kaderplanung unter GM Ryan Poles in den vergangenen Jahren durchaus abenteuerlich war, hätte die erste Offseason mit Johnson kaum besser verlaufen können. Besonders ein Move erweist sich als Volltreffer: Colston Loveland.
Nach einem verletzungsbedingten Fehlstart drehte Loveland auf und belegte von Week 9 bis Saisonende mit 597 Yards Rang zwei unter allen Tight Ends – nur Kyle Pitts war besser. Seine sechs Touchdowns in diesem Zeitraum bedeuteten Platz vier.
Dass Loveland im wichtigsten Spiel der Saison faktisch als Nummer-eins-Receiver fungierte – acht Receptions für 137 Yards bei 15 Targets – spricht Bände. Sollte Chicago für das kommende Jahrzehnt einen der besten Tight Ends der NFL besitzen, könnte das für diese Offense der ultimative Cheatcode sein.
Rams überstehen einen Schrecken
Niemand gab den Panthers vor dem Wild-Card-Auftakt an diesem Wochenende ernsthafte Chancen. Zum einen lag das daran, dass die NFC-South-Champions erst das siebte Team in der NFL-Geschichte waren, das mit einer negativen Bilanz die Playoffs erreichte. Zum anderen galten die Rams über weite Strecken der Regular Season als vielleicht bestes Team der Liga.
Allerdings hatte die Defense von Los Angeles zum Saisonende deutlich nachgelassen. Von Platz eins in EPA/play zwischen Weeks 1 und 9 fiel sie zwischen Weeks 10 und 18 auf einen geteilten 13. Rang zurück. Diese Probleme – so viel ist nach diesem Spiel klar – verschwinden in den Playoffs nicht einfach.
Während die Rams offensiv mit jedem Team mithalten können, finden Gegner inzwischen regelmäßig Wege, eine klare Schwäche auf der Cornerback-Position auszunutzen. Tetairoa McMillan und Jalen Coker kamen zusammen auf 215 der 264 Receiving-Yards von Carolina. Defensive Coordinator Chris Shula wird Wege finden müssen, konstanten Druck zu erzeugen, um diese Secondary zu kaschieren. Gegen die Top-Teams der NFC wird die gezeigte Leistung nicht ausreichen.
Stafford angeschlagen?

Die Defense war nicht der einzige Grund, warum Los Angeles bis zum Schluss zittern musste. Auch die Offense von Sean McVay tat sich phasenweise schwer. Ein Teil davon war schematisch bedingt: Die Rams wirkten zu stur, wenn es darum ging, das starke Cornerback-Duo der Panthers gezielt anzugreifen.
So spektakulär Puka Nacua und Davante Adams auch sind – dass die beiden Stars zusammen 31 der 42 Targets sahen, wich deutlich von der Heavy-Tight-End-Usage ab, die für den Erfolg dieser Offense so entscheidend war.
McVay nahm im Verlauf der Partie die nötigen Anpassungen vor, weshalb dieses Thema mit Blick auf die kommende Woche kaum Sorgen bereitet. Der Gesundheitszustand von Matthew Stafford ist jedoch ein Punkt, den man im Auge behalten sollte. Der Routinier wirkte sichtlich angeschlagen, nachdem er sich beim Wurf mit der Wurfhand am Arm eines Verteidigers verletzt hatte.
Zwar spielte Stafford das Spiel souverän zu Ende und krönte einen mustergültigen Drive mit einem 19-Yard-Touchdown-Pass auf Colby Parkinson, doch über längere Phasen zuvor schien seine sonst so messerscharfe Präzision beeinträchtigt. Ein Warnsignal – wenn auch kein akutes.
Special Teams sind entscheidend
Am Ende steht der Sieg – und zu diesem Zeitpunkt der Saison ist genau das alles, was zählt. Dennoch brachte ein weiterer Patzer in den Special Teams Los Angeles beinahe um die gesamte Spielzeit.
Ein geblockter Punt bescherte Carolina spät im vierten Viertel ein kurzes Feld und letztlich die Führung. Die Rams waren in dieser oft unterschätzten Phase des Spiels während der ersten 16 Wochen der Regular Season katastrophal und belegten den letzten Platz in Special-Teams-EPA. Das führte schließlich zur Entlassung von Coordinator Chase Blackburn.
Da die Defense zuletzt ohnehin in die falsche Richtung tendiert, kann sich Los Angeles solche Fehler künftig nicht mehr leisten.
Respekt an Carolina
Ja, die Rams haben den Sieg beinahe noch aus der Hand gegeben. Aber es ist ebenso wichtig, Carolina die verdiente Anerkennung zu zollen. Die Panthers wuchsen über sich hinaus und pulverisierten sämtliche Erwartungen, die nach einer turbulenten Regular Season an sie gestellt wurden.
Rückblickend hätte man es vielleicht kommen sehen müssen: Erst vor sechs Wochen schockte Carolina dieselben Rams mit einem der größten Upsets des Jahres. Damals wurde das Ergebnis jedoch stark durch Turnover beeinflusst und wirkte wenig nachhaltig.
Diese Leistung war deutlich beeindruckender. Bryce Young trat in mehreren Schlüsselmomenten mutig auf, und die Panthers-Defense brachte Stafford und die Rams-Offense bis zum Schluss an den Rand der Verzweiflung. Sich in den Playoffs gegen einen Top-Super-Bowl-Anwärter zu behaupten, ist ein starkes Signal – und ein vielversprechender Ausblick auf die Offseason und die Saison 2026.
Coker glänzt trotz Niederlage
In Mock Drafts werden die Panthers bei einem Wide Receiver gesehen. Nach einer inkonstanten Offense-Saison schien es naheliegend, einen langfristigen Partner für Tetairoa McMillan zu suchen. Ganz vom Tisch ist diese Idee nicht – Playmaker kann man nie genug haben.
Doch einen akuten Bedarf so zu bezeichnen, war vielleicht etwas respektlos gegenüber einem versteckten Juwel, das bereits im Kader steht.
Jalen Coker überzeugte als wichtigste Anspielstation von Bryce Young auf ganzer Linie. Aus seinen 12 Targets machte er neun Catches für 134 Yards sowie den zwischenzeitlichen Go-ahead-Touchdown in der Crunchtime. Dass ein ehemaliger Undrafted Free Agent eine vielversprechende zweite NFL-Saison mit einer solchen Leistung abschließt, verschafft ihm beste Chancen, sich 2026 als Nummer-zwei-Receiver der Panthers zu etablieren.



