Le'Veon Bell

NFL: Der Running Back! Vom One-Way-Truck zur Allzweckwaffe?

“The NFL is a passing league”nicht selten hört man heutzutage diesen Satz in Diskussionen und Debatten in den US-amerikanischen Sportmedien. Der Football unterzog sich in den letzten Jahrzehnten einem deutlichen Wandel. Wurde in den 80- und 90er Jahren vor allem auf eindimensionales hartes Running-Game gesetzt, ist der moderne Football mittlerweile deutlich auf das Passspiel ausgelegt. Die Gründe sind vielseitig.

Da die NFL zunehmend auf Sicherheit seiner Spieler setzt, sind diese heutzutage geschützter denn je. Die vor einigen Jahren eingeführten Regeländerungen zum Schutze des Quarterbacks und der Receiver, also vor allem das Verbot von Hits gegen verteidigungslose Spieler, setzten den großen Anreiz für Coaches, das Playbook zu erweitern und eindimensionale Running-Plays für 2 bis 3 hart erkämpfte Yards zu limitieren. Auch die Regularien und Einschränkungen des Trainierens mit Kontakt seitens der Liga bewegten Verantwortliche dazu, aufgrund weniger Praxis im Training den Ball auch sonntags seltener laufen zu lassen. Ein weiterer Beweggrund ist die zunehmende Athletik der Receiver, vor allem auch der Tight Ends.

In den letzten Jahren macht sich der Wandel auch auf der Position des Running Backs selbst bemerkbar: Coaches legen vermehrt ihr Augenmerk auf Catch-Fähigkeiten von Running Backs, um sie vielseitig einsetzen zu können. In den letzten Jahren stechen hier vor allem die Leistungen von Le’Veon Bell (Steelers), Todd Gurley (Rams) und David Johnson (Cardinals) ins Auge.

Johnson wurde in Arizona von Coach Bruce Ariens in der Saison 2016/2017 vermehrt als Receiver genutzt und erzielte so neben seinen 1239 Rushing Yards (16 TD) ebenfalls  879 Receiving-Yards und 4 TD durch die Luft. Somit hatten allein seine Receiving-Yards einen Anteil von 42% (!)  an seinen Scrimmage Yards. Auch Le’Veon Bell und Todd Gurley konnten sich durch ihre Vielseitigkeit in der vergangenen Saison auszeichnen:

Spieler Saison Rushing-Yards Receiving-Yards
David Johnson 2016/2017 1239 879
Le’Veon Bell

 

2016/2017

2017/2018

1268

1291

616

655

Todd Gurley 2017/2018 1305 788

 

Während Bell 34% seiner Scrimmage Yards durch die Luft erzielte, schaffte es Gurley gar auf 38%. Die Giants erwarten wohl in der kommenden Saison vergleichbare Leistungen von ihrem No. 2 overall Pick Saquon Barkley, der als talentiertester Running Back seit Adrian Peterson (2007) gilt.

Der Kampf um den hoch dotierten Vertrag – Gurley macht den Anfang

Zeit also umzudenken, um Allzweckwaffen auch als solche zu bezahlen? Seit einigen Jahren gibt es Diskussionen und Debatten zur niedrigen Bezahlung der Position des Backs. Gurley, der in der vergangenen Saison allein für mehr als ein Drittel der erzielten Offensive Yards der Rams verantwortlich war, hat jüngst seinen Vertrag um vier Jahre verlängert. Er erhält $60 Mio., davon $45 Mio. garantiert. Die Rams sind somit das erste Team, das einen Running Back nicht mehr als reinen eindimensionalen Runner bezahlt. Gurley erhält eine Vertragsverlängerung, die in die Kategorie des sonst besser bezahlten Wide Receivers fällt.

Da der vielseitige Einsatz von Running Backs zuletzt immer mehr von Erfolg gekrönt war und auch in Zukunft weitere Regeländerungen zur Sicherheit der Spieler seitens der Liga denkbar sind, werden Coaches vermehrt den Running Back als vielseitige Waffe einsetzen wollen. Somit scheint das allgemeine Umdenken zur Bezahlung eines Ausnahmeathleten auf dieser Position nicht mehr in weiter Ferne wie noch vor ein paar Jahren – auch, wenn sich Le’Veon Bell zuletzt mit den Steelers auf keine langfristige Lösung einigen konnte und in der kommenden Saison zum zweiten Mal unter dem Franchise Tag spielen wird. Kann Bell seine imposante Form in dieser Saison bestätigen, findet sich mit hoher Wahrscheinlichkeit in der nächsten Offseason ein Team, das bereit ist, den dann 27-Jährigen langfristig bei sehr guter Bezahlung zu binden.