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Gerald „Doc“ Meier
Foto: SPORT1

Interview

Interview vor dem XFL Championship Game: SPORT1 Experte „Doc“ Meier

Lesezeit: 12 min

Gerald “Doc Meier” ist ein Experte im Bereich Football und verfügt über eine 35-jährige Erfahrung in diesem Sport. Er war bereits 1987 Gründungsmitglied der Braunschweig Lions und hat seitdem bei verschiedenen Football-Vereinen und -Organisationen als Spieler, Trainer, Manager, Geschäftsführer und Pressesprecher gearbeitet.

In dieser Saison ist er bei SPORT1 als Experte für die Livespiele der XFL tätig und wird auch das bevorstehende Championship Game zwischen den Arlington Renegades und den D.C. Defenders kommentieren. SPORT1 wird das Spiel am Sonntag ab 02:00 Uhr live im Free-TV übertragen und neben “Doc” Meier wird auch Kommentator Andreas Renner im Einsatz sein.

FootballR: Hallo, danke für die Zeit. Sie sind aktuell als XFL-Experte für SPORT1 tätig. Was gefällt Ihnen an dieser Rolle besonders?

„Doc“ Meier: „Dass ich mich in diesem Rahmen mit der XFL befassen kann, ist fantastisch. SPORT1 hat mir dazu die Möglichkeit gegeben und ich freue mich einfach nur darüber, meine Leidenschaft für Football so zu bereichern. Den Start der XFL 2001 habe ich ja aus meiner NFL Europe Zeit genau beobachtet. Viele Spieler und Coaches, die hier in Europa waren, sind dort engagiert gewesen, allen voran Galen Hall, der einige Jahre Headcoach bei Rhein Fire war. Die erste XFL-Saison war allerdings eine Katastrophe, weil die Organisation um Gründer und Finanzier Vince McMahon daraus einen Zirkus gemacht hatten. Die XFL 3.0 hat mich jetzt überzeugt. Dany Garcia und Dwayne Johnson haben glaubhaft rübergebracht, dass es ihnen um Football und um die Chancen der Spieler geht, weiterspielen zu können. Selbstverständlich geht es den Investoren auch darum, irgendwann damit Geld zu verdienen, aber das ist eine andere Geschichte. Erst einmal haben sie das Wagnis unternommen und den Mut gehabt, die XFL wieder zu beleben. Hut ab dafür!“

FootballR: Nun wird es schwieriger: XFL oder NFL? Und wieso?

„Doc“ Meier: „Ein ‚oder‘ gibt es bei mir nicht. Ich schaue so gut wie alles, was mit Football zu tun hat. Findet gerade kein Spiel statt, schaue ich mir Rugby oder Australian Rules Football an und ab jetzt schaue ich mir die GFL und ELF an, dann kommen die College- und NFL Saisons. Ein Traum! Die XFL kann und will nicht in Konkurrenz zur NFL stehen. Sie ist ein Football-Angebot im Frühjahr, das auch auf längere Sicht eine Chance hat, sich zu etablieren. Eine ‚Spring Football League‘ in den USA zu schaffen, wollte man schon Mitte der sechziger Jahre machen, keinem ist es gelungen oder die NFL hat alle mit ihrer Power erdrückt.“

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FootballR: Was macht die XFL so besonders?

„Doc“ Meier: „Es sind die geänderten Regeln. Hier ist die XFL innovativ, ohne die DNA des Footballs zu beschädigen. Die Extrapunkt-Regel und der Onside Kick sind spannende Elemente, die das Spiel spannender machen.

Sollte sich die NFL etwas von der XFL abschauen?

FootballR: Was hat die XFL der NFL und dem Fußball voraus?

„Doc“ Meier: „Dem Fußball und vielen anderen Sportarten hat die XFL das ‚Command Center‘ voraus. Diese zentrale und vor allem transparente Schiedsrichter-Video-Kontrolle ist wegweisend. Für viele wird es wohl schwierig sein, dieses Modell schnell zu übernehmen und umzusetzen, denn da müssten die Schiedsrichter, z.B. beim Fußball, sehr viel von ihrer Entscheidungsgewalt abgeben. In der XFL sagt der Video-Schiedsrichter, in dieser Saison Dan Blandino, nach einer Minute spätestens, was Sache ist und entscheidet, ob es ein Foul war oder nicht. Und die Zuschauer am TV und im Stadion können seine Begründung live mitverfolgen.“

FootballR: Haben Sie bei Ihren Übertragungen bereits einige Rohdiamanten entdeckt, die den Sprung in die NFL schaffen?

„Doc“ Meier: „Da gibt es ja schon eine Reihe von Spielern, die zu Camps der NFL eingeladen wurden. Ich glaube, es sind rund 30 Spieler, Stand heute. Es war ziemlich klar, dass der Quarterback der Seattle Sea Dragons Ben DiNucci eingeladen wird. Auch den Spielern, die es ins XFL All Star Team geschafft haben, steht die Tür in die NFL jetzt offen. Insofern geht die Rechnung der XFL, ein Sprungbrett in die NFL zu sein, voll auf.“

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FootballR: Prediction-Time: Welches XFL Team holt sich den Titel?

„Doc“ Meier: „Ich setzte gerne auf den Underdog. Allerdings glaube ich nicht, dass die Arlington Renegades, die im Halbfinale wirklich ein sehr gutes Spiel gegen die Houston Roughnecks geliefert und für eine echte Überraschung gesorgt haben, die D.C. Defenders schagen werden. Ich hoffe aber auf ein dramatisches Finale.“

FootballR: Kann sich die XFL diesmal halten?

„Doc“ Meier: „Kurz gesagt: ‚Ja‘. Es ist an einigen Standorten noch an der Fanbase zu arbeiten. Wenn Las Vegas bei den Heimspielen nur 6.000 Zuschauer hat, ist das ein No-Go. In St. Louis gehen rund 35.000 zum Spiel, wunderbar. So muss es überall aussehen. Bei den TV-Zeiten in den USA war es in dieser Saison auch nicht ganz optimal: Zu viele Spiele sind im Pay-TV gelaufen, das hat die Zahlen gedrückt. Das alles wissen die XFL-Macher natürlich sehr genau und deswegen wird es da für die nächste Spielzeit sicher Änderungen geben.“

FootballR: Nun einmal kurz von den Ligen weg und ein paar Fragen zu Ihrer Person: Wie bereiten Sie sich auf eine Sendung vor? Welche Vorbereitungen treffen Sie im Vorfeld?

„Doc“ Meier: „Ich schaue mir die letzten beiden Spiele der Teams noch einmal an, hole mir dann die letzten Updates der Roster von den Teams bzw. der Liga und surfe durch die Fan-Communities, um zu sehen, was gerade die heißen Themen sind.“

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FootballR: Was war das denkwürdigste Sportereignis, das Sie als Experte begleitet haben, und warum?

„Doc“ Meier: „Das denkwürdigste Sportereignis für mich war der Super Bowl 34 in Atlanta. Da war ich im Super Bowl Staff und habe das Spektakel vom ersten bis zum letzten Tag mitgemacht.“

FootballR: Wie halten Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Trends in der XFL auf dem Laufenden?

„Doc“ Meier: „Ich mache das wie jeder andere auch und gehe auf XFL.com und alle relevanten Social-Media-Kanäle. Dazu bin ich in vielen Fan-Foren Mitglied und höre mir das Gemecker und das Lob an.

Hast du die XFL verfolgt?

FootballR: Wie wichtig ist es, neutral und unparteiisch zu bleiben? Wie halten Sie Ihre persönlichen Vorlieben im Zaum?

„Doc“ Meier: „Es schadet nicht, wenn man als Experte einen Favoriten hat. Es geht mir als Football- Fan vor allem um die Leidenschaft und das ist nun einmal emotional. Warum sollte ein Experte darauf verzichten? Bei der sportlichen Einordung muss man natürlich sachlich bleiben und Bescheid wissen, sonst quatscht man nur rum.“

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FootballR: Welche Herausforderungen gibt es bei der Kommentierung von Live-Sportübertragungen?

„Doc“ Meier: „Gute Frage. Auf den Bildschirmen im Studio entgeht einem manchmal etwas. Wenn ich dann die Spiele zuhause noch einmal schaue, frage ich manchmal, warum ich das nicht gesehen habe. Ansonsten kommt es darauf an, mit wem man das Spiel zusammen kommentiert. Man muss aufpassen, dass man dem anderen nicht ins Wort fällt. Gleichzeitig hat man wenig Zeit, etwas zu erklären, weil es dann schon weiter geht. Mit meinen SPORT1 Kollegen hat es bisher aber hervorragend funktioniert.“

FootballR: Wie wichtig ist es Ihrer Meinung nach, dass Sportkommentatoren auch eine Expertise in der Sportart haben, die sie kommentieren?

„Doc“ Meier: „Das ist absolut notwendig. Ich will nicht so weit gehen, zu sagen: ‚Man muss schon mal als Spieler auf dem Platz gestanden haben, um das machen zu können‘, aber es ist doch ein großer Vorteil.“

FootballR: Welche Fähigkeiten oder Eigenschaften sind Ihrer Meinung nach besonders wichtig, um ein erfolgreicher Sportkommentator bzw. TV-Experte zu werden?

„Doc“ Meier: „Wie schon gesagt: Leidenschaft! Als ich angefangen habe, Football zu spielen, und das Spiel dann auch mal verstanden hatte, habe ich Football immer aus der Perspektive betrachtet, dass ich persönlich für die Verbesserung des Spiels verantwortlich wäre. Als hätte ich den Auftrag dazu, das Spiel zu bewahren und weiterzuentwickeln.“

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FootballR: Wie gehen Sie mit der Kritik um, die Sie möglicherweise von Zuschauern erhalten?

„Doc“ Meier: „Mit viel Humor. Es gibt immer irgendjemanden, dem irgendwer nicht passt. Aber nach meinem Eindruck hat unser kleines Team bei SPORT1 bislang fast nur Lob bekommen.“

FootballR: Abschließende Frage: Fußball oder Football?

„Doc“ Meier:„Football until the end!“

FootballR: Wie sind Ihre Erwartungen an die Green Bay Packers und Ihre Meinung zum Trade von Aaron Rodgers?

„Doc“ Meier: „Was die Packers angeht: Der Abschied von Aaron Rogers hatte sich nach der Saison 21/22 angedeutet. So ist es immer mit Legenden gewesen: Wenn der Leistungs-Peak überschritten ist, wird es für alle irgendwie quälend. Ob Rogers bei den Jets gut aufgehoben ist, ist schwer zu sagen. Er ist immer noch ein überragender Quarterback, der für jeden Coach nicht leicht zu handeln ist. Wünschen wir ihm viel Glück. Für Green Bay ist es endlich die Chance für einen Neuaufbau.

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Jordan Love ist genau der Richtige, um die Packers wieder ganz nach oben zu bringen. Beim NFL Draft hat Green Bay auch clever ausgewählt, jetzt muss daraus ein Team geformt werden. Wie man das in fünf Monaten hinbekommt, haben übrigens gerade die Coaches der XFL gezeigt. Ich wiederhole nochmal meine Voraussage von vor der XFL-Saison 2023: Das beste Team der XFL wäre imstande, das schlechteste Team der NFL zu schlagen. Schade nur, dass es ein solches Spiel nie geben wird.“

Alexander R. Haidmayer - Experte für Football und Gründer von FootballR.

Alexander R. Haidmayer ist ein angesehener Experte im Bereich Football und Gründer von FootballR, einer führenden Plattform für Footballnachrichten. Seit 2013 ist er mit Leidenschaft und Fachwissen in der Welt des Footballs tätig und hat sich einen Namen als Experte auf diesem Gebiet gemacht.

Neben seiner Rolle als Gründer und Eigentümer von FootballR ist Alexander R. Haidmayer seit 2006 auch als Mitarbeiter bei der renommierten Kleinen Zeitung tätig. Diese langjährige Erfahrung ermöglicht es ihm, fundierte Einblicke und exklusive Informationen aus der Footballwelt zu liefern.

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